Bette bleiben und stand am Nachmittag nur auf um einen Sachwalter und einige Pächter zu empfangen Adele und ich brachten den Vormittag damit zu die Bibliothek zu räumen die wir nicht mehr als Arbeitszimmer benutzen konnten und unsern kleinen Unterrichtsapparat nach einem Zimmer im ersten Stock zu schaffen das uns zum Ersatz angewiesen worden war Ich bemerkte übrigens von diesem Morgen an daß Thornfield nicht mehr das Thornfield von früher war Anstatt der tiefen Stille welche ihm Aehnlichkeit mit einer Kirche verlieh verging keine Viertelstunde ohne daß der Thürhammer oder der Schall einer Glocke oder Schritte im Vestibül und geräuschvolles Sprechen in den langen Corridors an die ungewohnte Anwesenheit des Hausherrn erinnerte Ich meinestheils fand mich sehr gut in diesen veränderten Zustand der Dinge Am Abend nach dem Diner glaubte ich der armen Adele deren Zerstreutheit und Unaufmerksamkeit ich bis dahin nach besten Kräften zu bekämpfen gesucht hatte ihre Freiheit geben zu müssen Ich blieb allein und während ich mich damit beschäftigte in dem Feuer die Hauptformen eines Kupferstiches aufzufinden den ich früher einmal gesehen und welcher das Schloß Heidelberg am Rhein darstellte trat Mistreß Fairfax ein und sagte mir Mr Rochester wünsche den Thee mit mir im Salon einzunehmen Sie forderte mich überdies auf ein anderes Kleid anzuziehen „denn “ setzte sie hinzu „ich kleide mich stets des Abends um wenn Mr Rochester hier ist.“ Dies erschien mir etwas ceremoniös um jedoch dem bestehenden Gebrauche nicht entgegen zu handeln vertauschte ich mein schwarzwollenes Kleid mit einem seidenen von der nämlichen Farbe dem schönsten das ich von Lowood mitgebracht hatte mit alleiniger Ausnahme eines hellgrauen dem nee plus ultra meiner einfachen Garderobe das ich nur an den wichtigsten Festtagen trug Ich glaube sogar daß ich eine kleine Broche mit einer einzigen Perle hinzufügte dem Abschiedsgeschenk der Miß Temple Dann folgte ich den Schritten her Mistreß Fairfax ein wenig zaghaft und indem ich mich in ihrem Schatten zu verbergen suchte Viertes Kapitel Master Rochester Mr Rochester lag auf einem Sopha sein Fuß ruhte auf einem Tabouret Das Feuer erleuchtete sein ganzes Gesicht Adele kniete neben Pilot und spielte mit ihren kleinen Händchen in den langen und dichten Haaren des treuen Thieres Es bedarf wohl nicht der Erwähnung daß ich meinen Reiter seine athletische Gestalt seine breite und viereckige Stirn seine dunklen Augenbrauen erkannte wie seine etwas offene Nase die seiner ganzen Physiognomie einen gewissen Ausdruck hochmüthiger Reizbarkeit gab Er erhob den Kopf nicht als wir eintraten Erst nachdem Mistreß Fairfax ihm meinen Namen genannt hatte sagte er im kältesten Tone und ohne von der Gruppe a aufzublicken in deren Anschauen er versunken zu sein schien „Haben Sie die Güte Platz zu nehmen Miß Eyre.“ Eine größere Höflichkeit würde mich vielleicht verlegen gemacht haben Aber diese vollkommene Ungezwungenheit ermuthigte mich und die Sonderbarkeit des ganzen Benehmens hatte an und für sich etwas Anziehendes Ich setzte mich neugierig was folgen würde Es erfolgte jedoch nichts Mistreß Fairfax hielt es nun für ihre Schuldigkeit gesprächig und freundlich zu sein Sie tischte uns eine Menge