geneigt schien Nein Ohne je einen Romanhelden gesehen ohne je Gelegenheit gehabt zu haben mit einem dieser Wesen zu sprechen die mir stets als gefährlich dargestellt worden waren empfand ich für dieses Geschlecht im Allgemeinen eine tiefe Abneigung verbunden mit einer Art von Bewunderung wie man sie für das Feuer für den Blitz kurz für Alles hegt was glänzt und dabei schädlich werden kann Wäre der Fremde in heiterer Stimmung gewesen hätte er meine gutgemeinten Vorschläge freundlich aufgenommen und mir mit gewöhnlichen Artigkeiten geantwortet so würde ich höchst wahrscheinlich meines Weges gegangen sein ohne ihn weiter zu beachten Aber das barsche Benehmen und die verdrießliche Laune meines Unbekannten beruhigten mich vollkommen Als er mir daher einen Wink gab mich zu entfernen rief ich aus „Ich kann Sie wahrhaftig zu dieser Stunde und in einer solchen Einsamkeit nicht verlassen ehe ich mich nicht überzeugt habe daß Sie im Stande sind Ihr Pferd wieder zu besteigen.“ Er heftete seine Augen auf mich als er mich in einem so entschiedenen Tone sprechen hörte Ich glaube er hatte mich bis jetzt noch gar nicht angesehen „Aber mich dünkt “ entgegnete er fast sogleich „daß Sie jetzt zu Haus sein sollten wenn anders Sie hier in der Gegend wohnen Woher kommen Sie denn wenn ich fragen darf “ „Ich komme dort aus dem Schlosse und fürchte mich durchaus nicht des Abends wenn der Mond scheint Ich würde gern nach Hay gehen um Ihnen Hülfe zu senden übrigens gehe ich ohnedies dahin.“ „Sie kommen dort aus dem Schlosse sagen Sie Das heißt also Sie wohnen in diesem großen Hause mit den Schießscharten “ fragte mich der Fremde indem er nach Thornfield-Hall zeigte das der Mond senkrecht beleuchtete „Ja mein Herr.“ „Und wem gehört dieses Haus “ „Herrn Rochester.“ „Kennen Sie Herrn Rochester “ „Nein ich habe ihn nie gesehen.“ „Bewohnt er sein Haus “ „Nein.“ „Können Sie mir sagen wo er sich befindet “ „Dies weiß ich nicht.“ „Sie sind doch gewiß keine Dienerin aus dem Schlosse Sie sind “ Er hielt inne wahrscheinlich um meinen Anzug zu betrachten der wie gewöhnlich sehr einfach war und aus einem schwarzen Merinomantel und einem schwarzen Castorhut bestand beide weniger elegant als sie manche Kammerzofe eines großen Hauses sich gewünscht haben würde Ich sah daß er etwas verlegen war „Ich bin die Gouvernante sagte ich daher um seiner Ungewißheit ein Ende zu machen „Ah so die Gouvernante “ versetzte er auf Ehre ich dachte nicht mehr daran.“ Er betrachtete mich von Neuem Nach einigen Minuten versuchte er nochmals aufzustehen aber ein heftiger Schmerz malte sich in seinen Zügen „Ich möchte Sie nicht gern mit der Bitte belästigen “ sagte er endlich „Beistand für mich herbeizuholen aber wenn Sie die Güte haben wollten könnten Sie selbst mich ein wenig unterstützen Haben Sie vielleicht einen Sonnenschirm der mir als Stock dienen könnte Nein nun wohl so versuchen Sie mein Pferd am Zügel zu nehmen und es hierher zu führen Haben Sie Muth genug dazu “ Unter anderen Umständen würde ich es