Gespräch nahm daher eine weniger interessante Wendung Mistreß Fairfax ließ mir sehr deutlich bemerken daß meine Ankunft ihr außerordentlich angenehm war besonders wegen der Langeweile und der Furcht die ihr der Aufenthalt in einem einsamen Schlosse verursachte wo sie keine andere Gesellschaft hatte als eine einzige Dienerin die nämliche welche mir die Thür geöffnet hatte im Ganzen ein gutes Mädchen deren Unterhaltung jedoch einer Dame von einiger Bildung nicht genügen konnte Ohne mir recht erklären zu können warum Mistreß Fairfax sich selbst zu einer Existenz verurtheilte die ihr so wenig zu gefallen schien fühlte ich mich durch die offenherzige Freundlichkeit mit der sie mich willkommen hieß zu ihr hingezogen und unsre gegenseitige Vertraulichkeit machte schon an diesem ersten Abende rasche Fortschritte Am folgenden Morgen stand ich frühzeitig auf und verwandte alle mit dem beschränkten Umfange meiner Garderobe verträgliche Sorgfalt auf meinem Anzug denn da ich und mit Grund durchaus kein Vertrauen auf das Ansprechende meiner äußern Erscheinung setzte so wollte ich doch keinen abstoßenden Eindruck auf meinem Zögling machen Dann ging ich an einem schönen Herbstmorgen auf den noch grünen Rasenplatz der sich vor meiner neuen Wohnung befand Thornfield war kein großes herrschaftliches Schloß sondern nur ein einfacher Edelhof ein schönes Landhaus das vor einigen hundert Jahren erbaut war und dessen graue Façade sich von dem braunen Hintergrunde eines Gehölzes abzeichnete in welchem mehrere hundert Krähen ihr Gekrächz ertönen ließen Wenn diese lärmenden Vögel zuweilen aufflogen ließen sie sich auf einer großen Wiese nieder die zwischen dem Hause und einer Reihe alter dorniger Bäume mit dicken verkrüppelten Stämmen lag deren in einander verschlungene Zweige einen undurchdringlichen Wald bildeten „Thornfield “ dachte ich „heißt Dornenfeld Diese Bäume haben der Besitzung ohne Zweifel ihren Namen gegeben.“ Während ich mich der süßen Träumerei des Morgens hingab der man sich auf einem sonnigen Spaziergange in einer neuen Gegend so gern überläßt wurde ich durch Mistreß Fairfax mit einem freundlichen Compliment über die kurze Dauer meines Schlafes gestört „Gefällt Ihnen Thornfield “ fragte sie mich dann „Außerordentlich “ erwiderte ich mit dem Ausdrucke der Wahrheit „Es ist in der That nicht übel “ versetzte Mistreß Fairfax „Aber das Haus wird bald in Verfall gerathen wenn Master Rochester sich nicht entschließt es eine Zeit lang zu bewohnen oder es wenigstens öfter zu besuchen Für so große Wohnungen und die dazu gehörigen Ländereien ist die Anwesenheit des Besitzers unerläßlich.“ „Master Rochester “ rief ich aus „wen meinen Sie damit “ „Den Besitzer von Thornfield “ erwiderte sie mit großer Ruhe „Wußten Sie noch nicht daß er Rochester heißt “ „Nicht im Entferntesten ich glaubte Thornfield gehörte Ihnen.“ „Mir liebes Kind Wo denken Sie hin Ich bin blos als Intendantin hier oder als Wirthschafterin wenn Sie wollen Ich bin allerdings daß heißt mein Gatte war entfernt mit Rochester verwandt denn die Mutter des jetzigen war eine Fairfax und meine Cousine im zweiten Grade aber ich lege durchaus keinen Werth auf diese Verwandtschaft die ohne alle Bedeutung ist Ich nehme hier nur eine untergeordnete Stellung ein und da mir