einer Tür welche nach der großen Wiese ging und deren steinerne Seitenpfeiler zwei riesige Kugeln trugen Hinter einem Pfeiler brauchte ich nur ein wenig den Kopf vorzustrecken was ich auch wirklich tat um die ganze Fassade des Schlosses bequem zu betrachten Nun mögen Sie selbst ermessen liebe Freundin was in meinem Innern vorging als meine Augen anstatt des stolzen Gebäudes eine halb verfallene und geschwärzte Ruine erblickten Kein Dach keine gezahnten Giebel keine Schornsteine und spitzigen Hauben mehr Nur die Mauern standen noch und aus einigen Fenstern hingen zerbrochene Fensterstöcke herab Allenthalben wucherte Gras und Unkraut der feine Sand in den Gängen war von profanen Füßen zerscharrt das prächtige Portal stand für jedermann offen Das Schicksal Thornfield-Halls war leicht aus den von Rauch geschwärzten Trümmern zu erkennen Eine Feuersbrunst hatte das alte Stammschloß der Rochester zerstört und sie mußte schon im vergangenen Jahre stattgefunden haben denn der Schnee des Winters und der Regen des Sommers hatte eine Vegetation vorbereitet welche im letzten Frühling emporgesproßt war Zwischen den geschwärzten Steinen und den halbverkohlten Balken wuchs schon Gras und überdies beschränkte sich das Unglück auf das was meine Augen sahen war nur ein Gebäude zerstört worden nicht vielleicht unter diesen Trümmerhaufen ein dabei umgekommener Mensch begraben Auf diese Frage richtete sich mein Blick nach der ländlichen Kapelle deren einsamer Glockenturm noch dem zerstörten Schlosse gegenüber zum Himmel emporstrebte und ich fragte mich ob mein ehemaliger Gebieter nicht vielleicht schon unter der Marmorplatte neben seinem Ahnherrn Damer von Rochester dem Helden von Marston-Moore ruhte Auf alle diese quälenden Fragen mußte ich eine Antwort und zwar eine baldige Antwort haben und ich säumte daher nicht länger von den Ruinen Abschied zu nehmen Der Gastwirt zu dem ich zurückkehrte brachte mir selbst mein Frühstück und ich bat ihn einen Augenblick Platz zu nehmen indem ich ihn einiges zu fragen wünschte Aber nach dieser Einleitung wußte ich nicht mehr was ich noch hinzusetzen sollte so sehr fürchtete ich seine Mitteilungen „Sie kennen Thornfield-Hall “ hob ich endlich an „Allerdings Madame ich habe mehrere Jahre dort gelebt ich war Kellermeister des verstorbenen Mr Rochester.“ Die letzten Worte trafen mich wie ein Donnerschlag „Des verstorbenen Mr Rochester “ wiederholte ich „er lebt also nicht mehr “ „Entschuldigen Sie ich meine den Vater Mr Edwards des gegenwärtigen Besitzers.“ Die letzten drei Worte beruhigten mich ein wenig und ich dachte nun alles zu erfahren was mir zu wissen noch nötig war „Wohnt der gegenwärtige Besitzer noch in Thornfield-Hall “ fragte ich weiter „Sie sind wohl fremd hier Madame Wissen Sie nicht dassThornfield-Hall im vorigen Herbste völlig niedergebrannt ist Das Feuer brach mitten in der Nacht aus und ehe die Löschmannschaften von Milcote eintreffen konnten stand das ganze Schloß bereits in hellen Flammen Es war ein schauerlicher Anblick Ich habe ihn mit angesehen und das Herz wollte mir brechen “ Also in der Nacht “ dachte ich bei mir „Ja es mußte des Nachts geschehen denn sie brachte den Bewohnern von Thornfield-Hall immer Unglück „Aber “ fuhr ich laut fort „ist