der zwischen beiden Fenstern hing Ich sah unwillkürlich hinein In den Tiefen die sich da enthüllten erschien mir alles noch kälter und dunkler und das sonderbare kleine Wesen welches mich daraus anstarrte mit dem blassen Gesicht und den feurigen Augen die sich scheu und furchtsam nach allen Seiten umsahen während sonst alles unbeweglich war machte mir den Eindruck einer Geistererscheinung Meine Gespensterfurcht erwachte aber noch sollte sie mich nicht übermannen Johns Tyrannei seiner Schwestern stolze Gleichgültigkeit seiner Mutter Abneigung gegen mich die Parteilichkeit der Dienstboten all dies tauchte jetzt wieder vor meinem verstörten Geiste auf Warum mußte ich immer leiden wurde geschlagen angeklagt verdammt Warum gefiel ich niemand wenn ich mir auch alle Mühe gab jedermanns Zuneigung zu gewinnen Eliza welche eigensinnig und selbstsüchtig war wurde geehrt Georgiana welche launisch und boshaft war und ein widerspenstiges ungezogenes Betragen hatte wurde gehätschelt Ihre Schönheit ihre rosigen Wangen und goldenen Lockenschienen alle zu entzücken welche sie ansahen und schienen ihr Nachsicht mit alle ihren Fehlern einzutragen Johns Willen durchkreuzte niemand noch weniger wurde er gestraft mochte er den Tauben den Hals umdrehen die jungen Pfauen totschlagen die Hunde auf die Schafe hetzen die Obstspaliere ihrer schönsten Früchte berauben oder im Treibhause von den auserlesensten Pflanzen die Knospen abbrechen Obgleich ihm seine Mutter alles gestattete nannte er sie alte Schraube warf ihr ihre dunkle Hautfarbe vor handelte frech ihren Wünschen zuwider zerriß und beschmutzte oft ihre seidenen Kleider aber trotz alledem blieb er ihr einziger Liebling Ich dagegen wagte nichts Unrechtes zu thun ich gab mir Mühe meine Pflicht zu erfüllen und ich wurde unartig unausstehlich mürrisch und schleichend gescholten vom Morgen bis zum Abend Mein Kopf schmerzte und blutete noch von dem Schlage den ich erhalten hatte und niemand hatte John gescholten ich dagegen wurde mit schimpflicher Strafe belegt weil ich mich gegen seine unvernünftige Gewaltthätigkeit aufgelehnt hatte Das ist Ungerechtigkeit schrie es in mir und meine Empörung rief den Entschluß wach dieser unerträglichen Behandlung zu entfliehen oder wenn das nicht möglich wäre Hungers zu sterben Welch qualvoller Zustand an diesem traurigen Nachmittage Mein ganzes Denken und Fühlen war in Aufruhr aber so viel ich auch sann und mein Gehirn zermarterte ich konnte keine Antwort auf die Frage finden warum ich so litt Jetzt so viele Jahre später ist mir alles klar Ich war nicht an meinem Platze in Gatesheadhall ich hatte nichts gemein mit Mrs Reed ihren Kindern oder den Leuten die zum Hause gehörten Wenn sie mich nicht liebten so liebte ich sie ebenso wenig Welche Verpflichtung hatten sie ein Kind mit Wohlwollen zu betrachten dessen Temperament Fähigkeiten Neigungen den ihrigen ganz entgegengesetzt waren ein nutzloses Ding das unfähig war ihren Interessen zu dienen oder zu ihrem Behagen beizutragen das im Gegenteil Verachtung für ihre Behandlung sowohl als für ihr Urteil in sich nährte Wenn ich ein fröhliches sorgloses hübsches ausgelassenes Kind gewesen wäre so würde mich Mrs Reed trotz meiner Abhängigkeit und Verlassenheit geduldiger um sich gelitten haben ihre Kinder würden mir mehr Herzlichkeit und Freundschaft bezeigt haben und