nur amüsante Geschichten erzählen und Klatschereien wiederholen während Helene diejenigen welche das Glück ihrer Unterhaltung genossen zu veredeln verstand Ich wußte und fühlte das und obgleich ich ein unvollkommenes Wesen bin mit vielen Fehlern und wenig Vorzügen so wurde ich doch Helenes niemals überdrüssig und hörte nie auf mit einer so innigen zärtlichen und ehrfurchtsvollen Zuneigung an ihr zu hängen wie deren mein Herz nur irgend fähig war Wie konnte das auch anders sein Bezeigte mir doch Helene zu jeder Zeit und unter allen Verhältnissen eine gleichmäßige treue Freundschaft die nie von übler Laune getrübt wurde Aber Helene war jetzt krank Schon vor Wochen war sie in ich weiß nicht welches Zimmer eine Treppe höher gebracht worden denn ihr Leiden war nicht Typhus sondern Schwindsucht und unter Schwindsucht verstand ich in meiner Unwissenheit etwas Ungefährliches das die Zeit und Pflege sicher beseitigen werde In dieser Überzeugung wurde ich dadurch bestärkt daß Helene an sehr warmen sonnigen Nachmittagen von Miß Temple einige Male in den Garten geführt wurde Aber bei diesen Gelegenheiten durfte ich nicht mit ihr sprechen ich sah sie nur aus dem Fenster des Schulzimmers und konnte sie nicht einmal deutlich erkennen wie sie in Tücher eingehüllt unter der Veranda saß Eines Abends Anfang Juni war ich mit Anna sehr lange draußen im Walde gewesen Wir hatten uns wie gewöhnlich von den übrigen getrennt und waren weit fort gewandert so weit daß wir uns verirrten und in einer einsamen Hütte nach dem Wege fragen mußten Als wir zu Hause anlangten war der Mond schon aufgegangen ein Pony welchen ich als den des Arztes kannte stand an der Gartenthür Anna meinte es müsse wohl jemand sehr krank sein weil man so spät abends nach Mr Bates geschickt hätte Sie ging in das Haus und ich blieb noch einige Minuten im Garten zurück um einige Pflanzen in die Erde zu stecken die ich im Walde ausgegraben hatte und von denen ich fürchtete sie möchten verdorren wenn ich sie bis zum Morgen liegen ließe Ich verweilte noch etwas nachdem ich dies besorgt hatte denn die Blumen dufteten so schön und es war ein herrlicher Abend so klar so warm Die rote Glut welche noch den Westen erhellte versprach für morgen wieder einen schönen Tag und im Osten stieg der Mond so majestätisch empor Ich freute mich dieser Schönheiten wie ein Kind es eben vermag und zum ersten Male in meinem Leben kam mir der Gedanke Wie traurig muß es sein jetzt auf dem Krankenbette zu liegen und vielleicht sterben zu müssen Die Welt ist so schön es muß doch schrecklich sein aus ihr abgerufen zu werden und nicht zu wissen wohin man geht Ich machte die erste ernstliche Anstrengung zu begxeifen was man mich über die Vorstellungen von Himmel und Hölle gelehrt hatte zum ersten Male erfaßte meine Seele Unsicherheit und Angst sie sah auf allen Seiten einen endlosen Abgrund sie fühlte nur die Gegenwart als den einzig sicheren Puukt im Weltall alles übrige war unbestimmt und schwankend und sie zitterte bei