sollten um der Ansteckung zu entgehen auchhatte ja niemand Zeit sie zu überwachen und im Hause festzuhalten Miß Temple widmete ihre ganze Kraft den Patienten sie verließ das Krankenzimmer nur um einige Stunden in der Nacht zu ruhen Die Lehrerinnen waren vollauf mit dem Einpacken für diejenigen Schülerinnen beschäftigt welche glücklich genug waren Freunde und Verwandte zu besitzen bei denen sie Aufnahme finden und so der Gefahr der Ansteckung entgehen konnten Manche die schon angesteckt waren reisten nur nach Hause um dort zu sterben einige starben in der Anstalt und wurden so still und schnell wie möglich begraben denn die Natur der Krankheit gestattete keinen Aufschub Während im Hause Krankheit und Tod wüteten war draußen alles Herrlichkeit die Lilien hatten ihre Kelche erschlossen die Tulpen und Rosen standen in voller Blüthe die Einfassungen der kleinen Beete sahen reizend aus sie bestanden aus rosa roten und weißen Tausendschönchen morgens und abends strömten die blühenden Gewächse die herrlichsten Düfte aus und diese kostbaren Schätze gingen für die Insassen von Lowood gänzlich verloren sie gaben nur mitunter eine Hand voll Grün und Blumen für einen Sarg her Aber ich und alle die gesund geblieben waren genossen diese Herrlichkeiten in vollen Zügen Man ließ uns wie die Zigeuner vom Morgen bis zum Abend umherlaufen wir thaten was wir wollten liefen wohin wir wollten und wurden überdies noch besser verpflegt Mr Brocklehurst und seine Familie kamen jetzt nie nach Lowood in Haushaltsangelegenheiten sprach niemand mehr mit die Wirtschafterin war aus Furcht vor Ansteckung entflohen und ihre Nacfolgerin welcher die Gewohnheiten von Lowood fremd waren versorgte uns mit verhältnismäßiger Freigiebigkeit Es waren ja auchweniger Münder satt zu machen denn die Kranken konnten wenig essen unsere Frühstückschüsseln waren voller und wenn keine Zeit war ein regelrechtes Mittagessen zu bereiten was sich oft ereignete gab sie uns ein großes Stßck kalter Pastete oder eine dicke Scheibe Brot mit Käse das nahmen wir mit uns in den Wald wählten jede den platz welcher uns am besten gefiel und dinierten mit Behagen Mein Lieblingssitz war ein glatter großer Steinblock welcher sich in der Mitte des Baches befand und den man nur durch das Wasser watend erreichen konnte was ich barfuß bewerkstelligte Der Stein war gerade groß genug umu mich und ein anderes Mädchen bequem zu fassen Zu dieser Zeit war meine bevorzugte Gefährtin Anna Wilson eine schlaue scharf beobachtende Person an deren Gesellschaft ich Gefallen fand zum Teil weil sie witzig und originell war zum Teil weil sie ein Wesen hatte das mir zusagte Sie war einige Jahre älter als ich wußte mehr von der Welt und konnte mir manches erzählen was mich interessierte Sie liebte zu belehren ichzu fragen und so entsprang aus unserem Verkehr viel Vergnügen für uns und zugleich förderten wir einander Und wo war Helene Burns während dieser Zeit Warum brachte ich diese goldenen Tage der Freiheit nicht mit ihr zu Hatte ich sie vergessen oder war ich ihrer edlen Gesellschaft überdrüssig und darum unwürdig Anna Wilson stand tief unter meiner ersten Bekannten sie konnte mir