enthüllte vor unseren Augen eine appetitlich aussehende Sandtorte Ich hatte die Absicht Jeder von Euch hiervon ein Stückchen mitzugeben sagte sie da wir aber so wenig Toast haben müßt Ihhr es jetzt essen und sie zerschnitt mit freigiebiger Hand den Kuchen in Stücke Die Mahlzeit schmeckte uns als ob wir Nectar tranken und Ambrosia aßen Unsere Wirtin betrachtete uns mit einem Lächeln der Befriedigung während wir unseren Hunger mit den köstlichen Sachen stillten die sie uns so reichlich zuteilte Als der Thee vorüber und der Tisch abgeräumt war rief sie uns wieder an das Feuer und nun folgte eine Unterhaltung zwischen ihr und Helene der zuzuhören eine große Vergünstigung war Miß Temple hatte immer einen Ausdruck von Heiterkeit und Würde und eine edle Ausdrucksweise an die ich schon gewöhnt war aber Helene Burns setzte mich heute in Erstaunen Die erfrischende Mahlzeit das belebende Feuer die Anwesenheit und Güte der geliebten Lehrerin und mehr als dies alles vielleicht ihr eigener hoher Geist hatten alle ihre Anlagen wach gerufen Ihre Wangen welche ich bis jetzt nur blaß und blutleer gesehen hatte röteten sich ihre Augen glänzten und schienen mir für den Augenblick fast schöner wie Miß Temples Ihre ganze Seele schien sich auf die Lippen zu drängen sie sprach begeistert durch wessen Eingebung weiß ich nicht denn Herz und Geist eines Mädchens von 14 Jahren sind doch gewöhnlich noch nicht so reich um eine Quelle reiner mächtiger und inniger Beredsamkeit zu sein Miß Temple und Helene unterhielten sich von Dingen von denen ich nie gehört hatte von fremden Nationen und vergangenen Zeiten von Naturkräften die man entdeckt hatte oder denen man nachforschte sie sprachen auch von Büchern Wie viele hatten sie gelesen welche Schätze von Wissen angesammelt Sie schienen so vertraut mit französischen Namen und Schriftstellern Als aber Miß Temple Helene fragte ob sie noch ihre freien Augenblicke benutzte um das Latein zu wiederholen was ihr Vater sie gelehrt hatte da erreichte mein Erstaunen seinen Gipfelpunkt Miß Temple nahm ein Buch vom Bücherbrett und bat Helene ihr einen Abschnitt aus dem Virgil zu lesen und zu übersetzen Helene gehorchte und meine Verehrung für sie wuchs mit jeder Zeile die sie las Sie hatte kaum geendigt als die Glocke zum Zubettgehen rief da war kein längeres Verweilen gestattet Miß Temple zog uns beide an ihr Herz indem sie sagte Gott segne Euch meine Kinder Helene hielt sie etwas länger umschlossen und ließ sie zögernd los Helene folgten ihre Augen bis an die Thür dieser sandte sie einen bekümmerten Seufzer nach und für sie fiel eine Thräne auf ihre Wange Als wir in den Schlafsaal traten hörten wir die Stimme von Miß Scatcherd sie untersuchte die Schubladen und hatte gerade die von Helene Burns aufgezogen Helene wurde mit einer scharfen Rüge begrüßt und es wurde ihr eröffnet daß ihr morgen ein halbes Dutzend schlecht zusammengelegter Sachen an die Schulter geheftet werden würden und daß sie diesen Schmuck den Tag über tragen solle Meine Sachen waren wirklich in unverantwortlicher Unordnung sagte Helene leise zu mir