an das Schlimme zu bewahren Wir alle in dieser Weht haben Fehler und müssen sie haben aber ich glaube fest daß die Zeit kommt wo wir sie mit unserem gebrechlichen Körper ablegen und nur der Geist so rein und schuldlos zurückbleibt wie er vom Schöpfer ausging und sich als glänzender Seraph in den Himmel erhebt Dann wird er nie mehr zum Bösen abirren können Diesen Glauben halte ich fest wie mein teuerstes Gut Mit ihm kann ich so sicher den Verbrecher von seinem Verbrechen unterscheiden kann dem ersten so aufrichtig vergeben während ich das zweite verabscheue durch ihn findet die Rache nie Raum in meinem Herzen und die Ungerechtigkeit drückt mich nie zu tief nieder in ihm habe ich Frieden und sehe dem Ende ruhig entgegen Helenes Kopf den sie immer gebeugt trug sank bei diesem Ausspruch noch etwas tiefer auf die Brust Ich sah an ihrem Blick daß sie nicht mehr mit mir reden sondern lieber ihren eigenen Gedanken überlassen sein wollte Aber es wurde ihr nicht lange Zeit zum Nachdenken gegönnt eine Aufseherin ein großes grobes Mädchen kam auf sie zu und sagte in unfreundlichem Tone Helene Burns wenn Du nicht augenblicklich Deine Arbeit zusammenfaltest und Deine Schublade in Ordnung bringst sage ich Miß Scatcherd daß sie sich Deine Sachen einmal ansehen möchte Helene seufzte als sie ihren Träumereien entrissen wurde stand aber auf und folgte der Aufseherin sogleich ohne zu antworten Siebentes Kapitel Mein erstes Vierteljahr in Lowood schien mir ein Jahrhundert lang und wie das goldene Zeitalter kam es mir auch nicht vor Es bestand aus lästigen Kämpfen mit der Schwierigkeit mich an die herrschenden Gesetze und an ungewohnte Aufgaben zu gewöhnen Während des Januar Februar und eines Teils des März waren die Wege durch den tiefen und später durch den schmelzenden Schnee ungangbar und wir kamen deshalb nicht über die Gartenmauer hinaus den Gang zur Kirche ausgenommen aber innerhalb dieser Mauer mußten wir täglich eine Stunde in freier Luft zubringen Unsere Bekleidung war unzureichend um uns gegen die Kälte zu schützen Wir hatten keine Stiefel in unsere Schuhe drang der Schnee ein Handschuh bekamen wir nicht und so starben unsere Hände in der Kälte ab und waren mit Frostbeulen bedeckt und unsere Füße desgleichen Ich erinnere mich noch sehr wohl des ohnmächtigen Zornes der sich meiner jeden Abend bemächtigte wenn meine Füße brannten und jeden Morgen wenn ich die geschwollenen steifen Zehen in meine Schuhe zwängen mußte Auch das karge Maß von Nahrung was uns zugeteilt wurde war eine Plage bei dem regen Appetit im Wachstum begriffener Kinder erhielten wir kaum soviel als genügt hätte einen zarten Kranken am Leben zu erhalten Aus diesem Mangel an Nahrung entsprang ein Mißbrauch welcher die jüngeren Zöglinge hart bedrückte sobald die hungrigen großen Mädchen eine Gelegenheit fanden schreckten sie die kleinen mit Drohungen bis diese ihre Portion hergaben Oftmals habe ich beim Vesper das kostbare Stück Schwarzbrod zwischen zwei Mitschülerinnen geteilt welche Anspruch darauf erhoben und nachdem ich einer dritten die Hälfte meines Bechers Kaffee überlassen hatte den