in einem fremden Lande unter mir ganz fremden Menschen zu wohnen Noch vor einem Jahre hätte es hierzu keiner besonderen Ermutigung bedurft ich würde mein Vaterland vielleicht kaum mit Bedauern verlassen haben denn außer der Anhänglichkeit die wohl jeder Mensch an das Land seiner Geburt und an das Volk hat das seine Sprache spricht und in seiner Weise denkt und empfindet hatte es mir nichts von dem gewährt was uns das Heimatland lieb und theuer macht ich hatte dort kein Herz an dem das meine mit besonderer Liebe hing kannte keine Stätte von der ich mich mit besonders schmerzlichen Gefühlen losgerissen hätte Wie anders war das jetzt Ich hatte ja freilich auch kein größeres Heimatsrecht an Thornfield als an Lowood oder Gateshead aber ich liebte dieses Fleckchen Erde wie keinen anderen Ort in der Welt ich liebte es um der Menschen willen die mir dort freundlich begegnet und mein Auge füllte sich mit Thränen und mein Herz zog sich schmerzlich zusammen bei dem Gedanken daß ich diese theuren Menschen vielleicht nie wiedersehen sollte Wenigstens hören mußte ich von ihnen wie hätte ich die Trennung sonst ertragen können Noch heute wollte ich Mrs Fairfax bitten mir recht recht bald zu schreiben und mir alles zu erzählen was sich in Thornfield zutrug da nichts zu unbedeutend sei was die lieben Insassen von Thornfieldhall betreffen könne um mich nicht zu interessieren Ich erbat mir also von meiner freundlichen alten Reisegefährtin Urlaub und verbrachte die Zeit bis zu unserer Einschiffung welche noch diesen Abend erfolgen mußte damit ausführliche Briefe an Mrs Fairfax und Adele zu schreiben Ich schrieb noch immer als Mrs Rivers nach einigen Stunden bei mir eintrat um mich daran zu erinnern daß es Zeit sei sich zur Abreise zu rüsten So mußte ich denn meinen Brief schließen und ich that es mit dem Versprechen recht bald wieder von mir hören zu lassen und mit der Bitte mein Schreiben recht bald zu beantworten Jetzt folgten nun Stunden der Aufregung und Unruhe Ein Wagen führte uns an den Hafen dort lag der stattliche Dampfen dem wir uns nun für viele Tage anvertrauen sollten schon rauchten die Schlote und in und um ihn entfaltete sich das ganze bunte Treiben welches die nahe Abfahrt desselben verriet Noch viele Passagiere überschritten mit uns die schmale Brücke welche das Schiff augenblicklich noch mit dem Lande verband viele Abschiedsgrüße und Küsse wurden ausgetauscht und manche bittere Abschiedsthräne geweint Die Matrosen eilten geschäftig hin und her Köche und Kellner vervollständigten noch die Vorräte des Schiffes durch frische Gemüse und Früchte welche sie aus den Booten die das Schiff umlagerten in Körben emporzogen und diesem unruhigen und geschäftigen Treiben setzte erst die Dämmerung und der Kommandoruf des Kapitäns ein Ziel welcher die Verbindungsbrücke abbrechen hieß Es wurde dunkler und dunkler wir sahen die Lichte sich in der fernen Stadt entzünden und sich im Wasser spiegeln und der Lärm und die Unruhe verwandelte sich allmählich in lautlose Stille Meine alte Reisegefährtin seufzte erleichtert auf daß sie nun dem lärmenden rastlosen Leben