und enthielt nur wenige Zeilen er lautete Madame wollen Sie die Güte haben mir die Adresse meiner Nichte Jane Eyre zu übersenden und mich von ihrem Ergehen in Kenntnis zu setzen es ist meine Absicht sie möglichst bald zu mir nach Madeira kommen zu lassen Die Vorsehung hat meiner Arbeit Segen verliehen es ist mir gelungen ein nicht unbedeutendes Vermögen zu erwerben und da ich unverheiratet und kinderlos bin so ist es mein Wunsch meine Nichte noch bei meinen Lebzeiten zu adoptieren und ihr nach meinem Tode meine Besitztümer zu hinterlassen Ich bin Madame u.s.w u.s w John Eyre Madeira Der Brief war drei Jahre zurück datiert Wie kommt es daß ich davon nie etwas gehört habe fragte ich Oh Jane ich haßte Dich damals ich konnte den Gedanken nicht ertragen daß Du reich und glücklich werden solltest während ich mit den Meinen immer mehr dem Ruin entgegenging Ich schrieb Deinem Dnkel Du seist in Lowood am Typhus gestorben Es war unrecht es war schlecht vergieb vergieb rief sie und streckte ihre mageren Arme flehend nachmir aus Ich kann nicht leugnen daß mich zuerst ein Gefühl von Erbitterung und Entrüstung überkam daß mich die Mißgunst während dreier Jahre um das Glück gebracht hatte unter dem Schutze und in der Liebe eines so nahen Verwandten zu leben der mir beides gewähren wollte als ich aber in das angsterfüllte Antlitz meiner Tante schaute und ihre verlangend nachmir ausgestreckten Arme sah da konnte ich nicht anders als ihr um den Hals fallen und sagen Habe Frieden arme Seele ich vergebe Dir von ganzem Herzen Ich hielt sie eine Weile umschlungen legte sie dann sanft in die Kissen zurück und blieb an ihrem Bette sitzen wir sprachen beide kein Wort weiter denn die Kräfte der Kranken waren durch die Aufregung erschöpft ich wollte ihr Zeit lassen sich zu beruhigen und mußte auch meine eigenen Gefühle erst beschwichtigen Sie hielt meine eine Hand in den ihrigen bis sie endlich einschlief da machte ich mich sanft von ihr los und ging auf mein eigenes Zimmer Du wirst es begreifen lieber Leser wenn ich Dir sage daß ich dort hart mit mir zu ringen hatte um allen Groll alle Bitterkeit in mir niederzukämpfen welche die Enthüllungen meiner Tante in mir wachgerufen hatten aber ich kämpfte tapfer und gewann den Sieg ich hatte wirklich meiner Tante von Herzen vergeben Als ich am anderen Morgen in ihr Zimmer trat empfing mich die Wärterin mit der Nachricht daß sie in dieser Nacht hinüber geschlummert sei Ich trat an das Bett Dort lag sie still und kalt ihr sonst so strenges Gesicht hatte einen ruhigen friedlichen Ausdruck angenommen es gemahnte mich in keinem Zuge mehr an das harte strenge Antlitz das der Schrecken meiner Kinderjahre gewesen ich dachte nur daran daß schweres Leiden diese Linien gesänftigt habe und bat Gott die arme gemarterte und reuige Seele gnädig zu richten Ich konnte es nicht hindern daß eine Thräne auf die erkalteten Hände fiel als ich sie noch einmal küßte es war wohl