warum mich der Vorschlag so erschreckte vielleicht war es ein Vorgefühl daß es mir Unglück bringen würde wenn ich auf ihn einging und so lehnte ich ihn ab Du wirst Dir wohl bewußt sein daß der Anblick Deiner Aimee meine Ansichten nicht umstimmen könnte höhnte mein Bruder Das reizte mich So komm rief ich meines Sieges sicher griff nach meinem Hute und wir gingen Als wir bei Aimee eintraten kam sie mir mit ihrer gewöhnlichen herzgewinnenden Fröhlichkeit entgegen doch wie sie meines Bruders ansichtig wurde richtete sie ihre großen flammenden Augen einen Augenblick forschend auf ihn und schlug sie dann verwirrt zu Boden als ich ihr Richard als meinen Bruder vorstellte nahm ihre Befangenheit zu und ein Zittern durchlief ihre ganze Gestalt Das war ja wohl natürlich welches Mädchen beschliche nicht eine gewisse Furcht wenn sie zum ersten Male den Angehörigen ihres Erwählten begegnet sie wird sich unwillkürlich bewußt daß sie eine Art von Prüfung zu bestehen hat in der vielleicht nicht immer Unparteilichkeit den Blick schärft und Wohlwollen das Wort führt Ich sah mit Genugthuung daß meine schöne Braut in ihrer Verwirrung nur noch schöner aussah und blickte meinen Bruder triumphierend an der ganz in ihren lieblichen Anblick verloren schien Erschreckend schnell verwandelte sich mein Triumph in Verzweiflung Ich vermag Ihnen nicht zu beschreiben wie mir nach und nach die Überzeugung kam daß mein Bruder mir Aimees Herz entwendet ja daß ich es vielleicht nie ganz besessen habe und wie in den Beiden schon beim ersten Begegnen die Gewißheit zum Bewußtsein gekommen war daß sie für einander geschaffen seien Als Mason abgeschickt wurde Aimees Freiheit von mir zurückzufordern da hatte ich längst gewußt was da kommen werde Ich gab sie ihr zurück aber ich gab damit auch den Glauben an Treue an Glück an alles Gute in den Menschen für lange Zeit wie ich damals wähnte für immer hin Ich durchlebte entsetzliche Tage und Wochen Paris war mir jetzt ebenso zuwider wie es mich vorher entzückt hatte und ich beschloß es so bald wie möglich zu verlassen Mason hatte seine Studien gerade beendet er wollte jetzt eine Forschungsreise antreten er beredete mich ihn zu begleiten Ich glaube der gute Junge war besorgt um mich und mochte mich in meiner verdüsterten Stimmung nicht mir selbst überlassen Am Vorabende unserer Abreise zog mich die Sehnsucht noch einmal nach dem Hause hin in dem ich die glücklichste Zeit meines Daseins verlebt Nur noch einmal wollte ich aus der Ferne einen Blick darauf werfen um ihm dann für ewig Lebewohl zu sagen Mein Weg führte mich an einer kleinen Kapelle vorüber die Thür stand offen und in dem Augenblicke wo ich an ihr vorbei wollte fuhr ein Wagen vor mechanisch fiel mein Blick auf die Aussteigenden da ein Schwindel faßte mich ich mußte mich an einer Säule des Portikus halten der ich zunächst stands da sah ich Aimees liebliches Gesicht von Myrtenkranz und Schleier umrahmt im Fond des Wagens war das nicht mein Bruder der ihr freudestrahlend heraushalf und sie an seinem Arme