Mr Rochester verbanden Er hatte unwillkürlich meinen Arm ergriffen wie um sich darauf zu stützen und während er ihn krampfhaft drückte fühlte ich daß seine ganze Gestalt zitterte er war leichenblaß geworden und atmete schwer Aber sein starker Wille gewann bald wieder die Herrschaft über seine Bewegung Wo ist er fragte er mich loslassend In der Bibliothek Adele ist bei ihm Sagen Sie ihm daß ich zurück sei und gleich zu ihm kommen werde und nehmen Sie Adele mit auf Ihr Zimmer Es kostete mich einige Überredung Adele zu bewegen daß sie mit mir ging doch folgte sie mir endlich und ließ sich durch die Aussicht zufrieden stellen daß sie ihren Onkel gleich nach dem Mittagessen im Gesellschaftszimmer wieder finden werde Die Zeit bis dahin wurde uns Beiden lang wir erwarteten sie mit einer gewissen fieberhaften Unruhe die bei mir den Charakter einer ängstlichen Spannung annahm Mr Rochesters Benehmen als ich ihm die Nachricht von der Ankunft des neuen Gastes brachte ließ mich vermuten daß die Begegnung der beiden Herren keine freundliche sein werde und ich war begierig sie bei einander zu sehen Adele wußte mir von ihrem Onkel wenig mehr zu erzählen als daß er ein älterer Bruder ihrer Mutter war daß sie ihn nur selten gesehen habe zuletzt am Begräbnistage ihres Vaters daß er ihr aber sehr gut sei so oft sie ihn gesehen sie reich beschenkt und immer so schön mit ihr gespielt habe und daß sie ihn herzlich liebe In unserer Ungeduld stiegen wir früher als gewöhnlich in das Gesellschaftszimmer hinab Die Gesellschaft nebenan schien heute in ungewöhnlich lebhafter Unterhaltung begriffen aber die Stimme Mr Rochesters der sich sonst stets lebhaft am Gespräch beteiligte hörte ich heute nur selten und in kurzen Sätzen Adele konnte die Zeit nicht erwarten bis die Tafel aufgehoben wurde und sie ihren Onkel wiedersehen durfte Endlich traten wenigstens die Damen ein und sie vergaß bald ihre Sehnsucht und Unruhe als diese sie zum Mittelpunkte ihrer Aufmerksamkeit machten Der Fremde war durch sein unerwartetes Erscheinen der Gegenstand allgemeiner Neugierde geworden sie hatten bereits herausgebracht daß Adele seine Nichte sei und hofften durch sie Näheres über ihn und seine Beziehungen zu Mr Rochester zu erfahren Dieses Verlangen konnte die Kleine zwar nicht befriedigen aber ihr Geplauder hatte doch mit einem Male Interesse für die versammelten Damen gewonnen und so schwatzte sie fort bis die Herren erschienen Ich saß in meiner gewöhnlichen Ecke und konnte ihr Eintreten beobachten Unwillkürlich forschte mein Blick zuerst nach Mr Rochester er trat mit seinem gewöhnlichen verbindlichen Lächeln in den Salon und sein Wesen schien unverändert daß er mir im Laufe des Abends schweigsamer als sonst schien war leicht zu erklären trug doch Mr Mason fast allein die Kosten der Unterhaltung Er war weit gereist und wußte gut zu erzählen und zu schildern und schien sich das Interesse der Gesellschaft Herren wie Damen im Fluge erobert zu haben Ich hörte wie sie zuweilen flüsternd ihre Urteile über ihn austauschten Sie nannten ihn einen vollendeten Gentleman bezeichneten ihn als ihr