ihrer Genugthuung daß Adele wirklich an den Zeichnungen die sie ihr vorgelegt Vergnügen fand und sich auch ziemlich geschickt anstellte Hierauf baute Jane ihren Erziehungsplan weiter Abwechselung und Unterhaltung mußten ihr Geschmack am Lernen beibringen Neuntes Kapitel Wie Jane es gehofft so bestätigte sich auch für sie die Erlangung eines ruhigen und zufriedenen Lebens und einer angemessenen Thätigkeit Mistreß Harleigh blieb auch für die Folgezeit eine wohlwollende und gütige ältere Freundin für sie und Adele wenn auch lebhaft und eigensinnig etwas zeigte sich als ein gutmütiges unverdorbenes Kind mit dem nicht schwer auszukommen war Sie war Jane 's alleiniger Erziehung anvertraut und Niemand sonst machte einen Einfluß irgend einer Art auf sie geltend so daß es in der That gar keine besondere Mühe verursachte ihre Sonderbarkeiten und Launen ihr abzugewöhnen ja sie zeigte jetzt sogar eine gewisse Vorliebe für das Englische das sie anfänglich als geborene Französin gar nicht leiden mochte und verächtlich behandelte Auch bemerkte Jane mit nicht geringer Freude daß Adele ihr persönlich zugethan war und deutliche Spuren von Neigung und treuer Anhänglichkeit zeigte Auch das dienende Personal wie Sam Lea und Sophie bereiteten ihr keine Hindernisse und nur vor Gratia und deren öfterem unheimlichen Lachen empfand sie einen gewissen Widerwillen und einen unbestimmten Schauder Es kamen öfters mehrere Tage nach einander vor an welchem sie ganz still war dann aber ließ sie wiederum Töne vernehmen die sich Jane durchaus nicht erklären konnte Zuweilen erschien Gratia im unteren Stockwerk und brachte einen Teller eine Schüssel oder irgend ein anderes Stück Geschirr in die Küche zurück und begab sich dann wieder schweigsam und geräuschlos nach der oberen Etage Oftmals stieg in Jane der Gedanke empor daß dieses seltsame Lachen gar nicht von Gratia Poole ausgehen könne vielmehr glaubte sie an ein hier verborgenes Geheimnis aber da sie weder von Mistreß Harleigh noch von der übrigen Dienerschaft irgend eine genauere Auskunft erhalten konnte so fügte sie sich in das Unvermeidliche und sann nicht weiter darüber nach So waren allmählich die letzten drei Monate des Jahres verflossen und der Januar brachte zwar Schnee und Eis aber auch helles freundliches Wetter mit Adele war unwohl und konnte keinen Unterricht erhalten Jane hatte somit einen freien Nachmittag und wollte einen größeren Spaziergang unternehmen Sie war noch nie in dem etwa zwei englische Meilen entfernten Dörfchen Hay Lome gewesen und richtete dorthin ihren Weg zumal Mistreß Harleigh einen soeben fertig gewordenen Brief gern noch nach dem dortigen Postamte haben wollte und der Briefbote unter zwei Tagen nicht in Thornfield wieder vorkam Mit Hut und Mantel ausgerüstet übernahm sie die Besorgung des Briefes und machte sich auf den Weg der bei dem gerade heiteren und trockenen Wetter ein wahrer Spaziergang für Jane war Bis zu dem Dorfe führte der Weg beständig langsam aufwärts der Boden war hart gefroren die Luft still Jane ging rasch bis zur Höhe der Straße die auf halbem Wege wieder bergab führte Hier setzte sie sich auf einen Steg nieder der daselbst den Uebergang zu einem Felde bildete In Gedanken versunken