liebevolles Gemüt zu thun vermochte Er zog das Kind an sich nahm es auf seine Knie und scherzte mit ihm wie er es mit seinen eigenen Kindern wenig ja nur sehr wenig gethan hatte er war selbst erstaunt sich Empfindungen für dieses kleine Mädchen gestehen zu müssen die ihm früher ziemlich fremd geblieben waren Seine Hinneigung zu Jane blieb selbst seiner Gattin nicht verborgen aber wenn die selbe auch deshalb kein Wort zu äußern wagte so konnte man es doch an der Kälte gewahren welche ihr Antlitz überzog sobald sich ihr Gatte in seiner Vorliebe für Jane nicht zu beherrschen vermochte Was konnte das kleine unwissende Geschöpf für diese Liebe seines Onkels aber in der Tante Brust zog eine Empfindung wie Neid Eifersucht und Haß gegen die zärtliche Jane ein Sarah hätte ihren Gatten in sanfter Weise auf diese ihr wider seinen Willen zugefügte Kränkung aufmerksam machen sollen jedoch war sie zu stolz hierzu und räumte sich es selbst nicht ein daß es ihre eigene Erziehungsweise war welche ihre eigenen Kinder von des Vaters Herzen zum teil abgewendet hatte aber sie konnte keine Liebe lehren so sehr sie auch fühlte wenn ihr diese Empfindung nicht in gebührendem Maße entgegengebracht wurde So bildete sich da Mistreß Reed schon früher eine starke Abneigung gegen ihre Schwägerin gehegt ja dieselbe beinahe gehaßt hatte unter der freundlichen Maske welche sie aus Rücksicht gegen ihren Gatten zur Schau zu tragen gezwungen war diese Abneigung zu einem offenbaren Haß besonders gegen Jane aus und von ihrem Gatten selbst schied sie eine immer größer werdende Kluft so geschickt sie deren Breite und Tiefe überhaupt deren Vorhandensein zu verhüllen verstand Reed 's Wille und Charakterstärke war ausreichend genug um Alles niederzuhalten was seiner Schwester und deren Töchterchen irgendwie zeigen konnte daß sie Beide nur als eine unbequeme Last in seinem Hause und in seiner Familie betrachtet wurden Drittes Kapitel Der Winter war allmählich eingezogen und das Weihnachtsfest nahte heran reges Leben herrschte im Landsitze Gateshead auf welches nach mehr als vierzehntägiger Abwesenheit Mister Reed mit seiner Gattin aus London zurückgekehrt war Zum ersten Male seit seiner Verheiratung hatte er sich gleichsam aus Dank für Sarah 's liebevolles Wesen gegen seine unglückliche Schwester entschlossen die Weihnachtsgeschenke für seine Gattin seine Kinder und seine Schützlinge in Gemeinschaft mit Sarah in London persönlich einzukaufen während dies früher stets in Bedford erfolgt war Es geschah dies nebenbei in der Absicht seiner Gattin längere Zeit entbehrte Genüsse wie den Besuch von Theater Konzerten Kunstausstellungen u s w in London zu teil werden zu lassen da ihnen die Erledigung ihrer Geschäfte und Einkäufe Zeit genug übrig ließ ihren Neigungen und Vergnügen nachgehen zu können Reed der sonst sehr einfach und genügsam lebte war freigebig ja verschwenderisch gegen seine Gattin und so ließ ihn dieselbe auch ohne Widerspruch gewähren als er bei dem Ankaufe der Geschenke seine Schwester und Jane fast in gleichem Maße bedachte wie seine eigenen Kinder und sie selbst ja sie wollte freiwillig noch mehr bescheren als Reed aus freiem Antrieb den