Stimme Du mein einziger Schatz Du mein geistiges Eigentum sollst den Blicken dieses herzlosen Weibes nicht preisgegeben werden Mag Lord Rochester mir zürnen mag er mich aus seinem Hause entfernen wenn ich die Mappe gegen seinen Willen an mich nehme es soll mir gleich sein Der Spott dieser Augen und dieser Mienen soll sich nicht ergießen über die mühsam getriebenen Blüten meiner stillen Phantasieen Kann ich überhaupt hier bleiben wenn diese beiden Frauen die meine Jugend vergiftet meine Kraft zerstört haben für längere Zeit hier weilen sollten wenn Georgine gar Lady Rochester werden und hier herrschen sollte Nein nein und dreimal nein Aber ich gab mein Wort vor einer Stunde kaum dies Schloß nur zu verlassen wenn er mich weg schicke dies Versprechen muß ich lösen koste es was es wolle Sie sank auf einen Stuhl und preßte beide Hände vor die Augen In tiefe schmerzliche Gedanken versunken mochte Jane wohl eine halbe Stunde so gesessen haben als sie durch Rochesters Stimme ans denselben jäh aufgescheucht wurde Er kehrte offenbar von Georgine zurück und näherte sich dem Empfangszimmer wieder das zu verlassen er Jane aufgetragen hatte So gern Jane auch jetzt seinem Begegnen entgangen wäre so blieb ihr doch keine Möglichkeit sie mußte unbedingt mit ihm noch einmal zusammentreffen Die Thüre öffnete sich er trat ein und voll Erstaunen fiel sein Blick auf die Gouvernante die ihn nicht anzuschauen wagte Nun Miß Eyre befolgen Sie so meine Befehle begann der Lord Anstatt dieses Zimmer zu verlassen schlichen Sie hier noch heimlich herum und suchen sie etwas hier oder dort zu erhorchen Das ist nicht schön und gut von Ihnen Ich horche nicht Herr und schleiche auch nicht herum antwortete Jane trotzig werdend ich nahm nur mein Eigentum an mich daß ich nicht Lust verspüre Jedermanns Augen Preis zu geben Ich nahm meine Mappe Herr meine Bilder und das Verfügungsrecht über dieselben gehören mir und ich lasse es mir von Niemand streitig machen So wollen Sie mir deren Anblick auch nicht mehr gönnen Miß Eyre Ihnen Lord Rochester gern so lange Sie wollen Ihnen würde ich dieselben sogar als Eigentum überlassen können aber nur unter der einzigen Bedingung diese Bilder nicht von Augen betrachten zu lassen aus denen Hohn und Verachtung Kälte und Geringschätzung gegen andere Menschen spricht die angeblich nicht Ihresgleichen sind Und warum Miß Eyre wollen Sie diese Bilder auf welche Sie so hohen und wirklich verdienten Wert legen mir gerade mir überlassen Sprechen Sie Miß Weil Sie mich verstehen Herr antwortete Jane nach einigem Zaudern weil Sie empfunden haben in welcher Stimmung ich diese Bilder geschaffen welche Gedanken und welche Gefühle ich in ihre Ideen hineingelegt weil Sie dieselben zu würdigen wissen So nehmen Sie die Mappe von Ihrer Brust Miß und legen Sie selbige wieder in meine Hand Können Sie sich freiwillig dazu entschließen Miß Hier ist die Mappe Herr aber dann muß ich auch auf der vorhin ausgesprochenen Bedingung bestehen daß Mappe und Bilder nur für Ihre und nicht für fremde Augen sind Mein Wort darauf