aber Sie sehen er hat nicht Wort gehalten denn er hat mich nach England gebracht und ist nun selbst fortgegangen und ich sehe ihn nie Nach dem Frühstück zog ich mich mit Adele in das Bibliothekzimtmer zurück das uns Herr Rochester als Unterrichtszimmer angewiesen hatte Die meisten Bücher waren hinter Glastüren verschlossen nur ein Bücherschrank war offen gelassen worden und der enthielt so viele Elementarbücher als voraussichtlich nötig waren sowie verschiedene Bände aus der sogenannten leichten Literatur Gedichte Lebensbeschreibungen Reisewerke Romane u s f Wahrscheinlich hatte er geglaubt eine Erzieherin würde zu ihrer Privatlektüre nicht mehr brauchen und in der Tat genügte mir dies vorläufig im Vergleich mit der spärlichen Ausbeute die mir von Zeit zu Zeit zu Lowood zu machen vergönnt war schienen sie mir eine überreiche Masse von Belehrung und Unterhaltung darzubieten Auch befand sich in diesem Zimmer ein neues Klavier das einen vortrefflichen Ton hatte ebenso auch eine Malerstaffelei und ein Globus ich fand meine Schülerin ziemlich gelehrig aber nicht sehr fleißig sie war an keine regelmäßige Beschäftigung irgend welcher Art gewöhnt worden Ich hielt es nicht für geraten sie gleich anfangs zu sehr mit Lernen in Anspruch zu nehmen daher gab ich ihr nachdem ich viel mit ihr geplaudert und sie ein wenig hatte lernen lassen gegen zwölf Uhr die Erlaubnis wieder zu ihrer Bonne zu gehen Dann nahm ich mir vor mich bis zur Mittagszeit mit Anfertigung einiger kleinen Skizzen für sie zu beschäftigen Gerade als ich die Treppe hinaufging um meine Zeichenmappe zu holen rief Frau Fairfax mir zu Ihre Schulstunden sind für diesen Morgen wohl vorüber Sie war in einem Zimmer dessen Flügeltüren offen standen ich ging hinein als sie mich anredete Es war ein großes stattliches Zimmer mit purpurfarbenen Stühlen und Vorhängen einem türkischen Teppich Wänden die mit Wallnußholz getäfelt waren einem großen Fenster von gemaltem Glase und einer hohen Decke die mit prächtigen Gipszieraten versehen war Frau Fairfax stäubte einige Vasen von schönem purpurfarbenem Marienglase ab die auf einem Nebentische standen Welch prachtvolles Zimmer rief ich aus als ich mich umsah denn noch nie hatte ich ein Gemach gesehen das auch nur halb so imposant gewesen wäre Ja das ist das Speisezimmer Ich habe bloß das Fenster aufgemacht um ein wenig Luft und Sonnenschein hereinzulassen denn alles wird so feucht in Zimmern die selten bewohnt sind im Gesellschaftszimmer dort ist es wie in einem Kellergewölbe Sie deutete auf einen Schwibbogen der mit dem Fenster harmonierte und wie dieses einen purpurroten Vorhang hatte der jetzt zurückgeschlagen war Ich stieg zwei breite Stufen hinan und als ich hindurchsah glaubte ich ein Feenschloß vor mir zu haben so glänzend erschien meinem unerfahrenen Auge das was ich jenseits erblickte Und doch war es bloß ein sehr hübsches Gesellschaftszimmer und ein Boudoir beide mit weißen Teppichen bedeckt worauf prächtige Blumenguirlanden gelegt zu sein schienen beide hatten an ihren Plafonds schneeweiße Gipszieraten die gegen die karmesinroten Sofas und Ottomanen wirkungsvoll abstachen während die Zieraten an dem aus parischem Marmor gearbeiteten Kamin aus funkelndem rubinrotem böhmischem Glase waren