Stück Brot mit Käse zu geben damit gingen wir in den Wald wo jede von uns den Ort auswählte der ihr am besten gefiel und verzehrten da unser üppiges Mittagsmahl Mein Lieblingssitz war ein glatter breiter Stein der sich weiß und trocken aus der Mitte des Baches erhob und nur erreicht werden konnte wenn man durch das Wasser watete was ich denn auch barfuß tat Der Stein war gerade breit genug um mich und ein anderes Mädchen das damals meine auserwählte Gesellschafterin war bequem aufzunehmen Ihr Name war Anna Wilson an dieser scharfen Beobachterin fand ich besonders Gefallen teils weil sie witzig und originell war teils weil sie eine Art hatte bei der ich mich ganz ungeniert fühlte Einige Jahre älter als ich wußte sie mehr von der Welt und konnte mir manches sagen was ich gern hörte bei ihr fand meine Neugierde Befriedigung und auch gegen meine Fehler übte sie große Nachsicht Sie liebte es zu belehren ich zu fragen so zogen wir aus dem Umgang den wir miteinander pflogen viel Vergnügen wenn auch nicht viel Nutzen Aber wo war unterdessen Helene Burns Warum verbrachte ich nicht diese süßen Tage der Freiheit mit ihr Hatte ich sie vergessen oder war ich in meiner Unwürdigkeit den Verkehr mit dem edlen Wesen schon überdrüssig geworden sicherlich stand Anna Wilson geistig nicht so hoch wie meine erste Freundin sie konnte mir bloß unterhaltende Geschichten erzählen und in das prickelnde Gewitzel einstimmen worin ich mir damals gefiel während Helene befähigt war denjenigen welche sich ihres Umgangs erfreuten einen Sinn für weit höhere Dinge zu geben Nun obgleich ich neben meinen vielen Fehlern einige gute Eigenschaften besaß die mit jenen wieder aussöhnten so wurde ich doch den Umgang mit Helene Burns nie überdrüssig auch hörte ich nie auf eine so innige und achtungsvolle Zuneigung zu ihr zu hegen wie mein Herz nur je eine empfunden hat Wie konnte es auch anders sein da Helene zu allen Zeiten und unter allen Umständen eine stille und treue Freundschaft für mich an den Tag legte die keine üble Laune verbitterte keine Reizbarkeit störte Aber Helene war jetzt krank schon seit einigen Wochen war sie meinen Augen entrückt und ich wußte nicht in welches Zimmer des obersten Stockwerks sie gebracht worden war Man sagte mir sie liege nicht in dem Teile des Hauses der mit Fieberkranken angefüllt sich in ein Hospital verwandelt hatte denn sie leide nicht am Typhus sondern an der Auszehrung und in meiner Unwissenheit verstand ich unter Auszehrung eine milde Krankheit welche die Zeit und eine sorgfältige Pflege gewiß wieder heben würde In diesem Gedanken wurde ich bestärkt als ich sie an sehr warmen und sonnigen Nachmittagen mit Fräulein Temple in den Garten herabkommen sah aber bei solchen Gelegenheiten durfte ich nicht zu ihr hingehen und mit ihr reden ich sah sie bloß von dem Fenster des Schulzimmers aus und dann auch nur undeutlich denn sie war dicht in warme Kleider eingehüllt und saß in einiger Entfernung unter der Veranda Eines Abends es war zu