dein schwaches ich oder als Geschöpfe die eben so schwach sind wie du Außer dieser Erde und dem Geschlechte der Menschen gibt es eine unsichtbare Welt ein Reich der Geister diese Welt umgibt uns und diese Geister wachen über uns und sollten wir auch in Schmerz und Schmach sterben sollte auch Verachtung und Haß uns zu Boden drücken so sehen doch Engel unsere Qualen und erkennen unsere Unschuld wenn man uns fälschlich anklagt daß du aber unschuldig bist das sehe ich in deinen Augen das steht auf deiner Stirn geschrieben Mach dir also nicht so viel Sorgen um das Urteil der Menschen und hoffe vielmehr auf den Lohn den Gott in jenem Leben für die Guten bereit hält Helenes Trostrede lenkte meine Gedanken von meinem Elend ab aber nur um sie in einen neuen Kummer zu versenken Flößte mir doch der kurze Atem der trockene Husten der auf das Ende ihrer Rede folgte ernstliche Besorgnis um ihre Gesundheit ein Den Kopf an Helenes Schulter gelehnt hielt ich sie mit beiden Armen umfaßt sie zog mich an sich und so ruhten wir schweigend aneinander Wir hatten noch nicht lange so dagesessen als in dem Mondlicht das jetzt durch ein nahes Fenster hereinströmte eine Gestalt auf uns zukam in der wir alsbald Fräulein Temple erkannten ich komme speziell deinetwegen Jane Eyre sagte sie Du mußt mit mir auf mein Zimmer kommen und da Helene Burns bei dir ist so mag sie uns begleiten Hast du dir deinen Kummer ausgeweint fragte mich die Vorsteherin als wir drei in ihrem Zimmer vor dem gemütlichen Kaminfeuer Platz genommen hatten ich fürchte ich werde das nie können seufzte ich Doch wenn du deine Anklage zu widerlegen verstehst Man hat dich der Falschheit beschuldigt verteidige dich nun zunächst mir gegenüber so gut du kannst Erzähle mir alles was dir dein Gedächtnis als wahr eingibt setze aber nichts hinzu und übertreibe nichts In der Tiefe meines Herzens beschloß ich mich streng an die Wahrheit zu halten und nachdem ich einige Minuten nachgedacht um das was ich zu sagen hatte gehörig zu ordnen erzählte ich ihr die ganze Geschichte meiner traurigen Kindheit Erschöpft durch die Gemütsaufregung sprach ich in einem ruhigeren Tone als sonst und beherzigte auch Helenes Ermahnungen so daß es mir wirklich gelang meinen Groll im Zaum zu halten Als ich meine Erzählung beendet hatte sah mich Fräulein Temple einige Minuten schweigend an und sagte dann Herr Lloyd ist mir nicht ganz unbekannt ich werde an ihn schreiben und wenn er deine Angaben bestätigt so sollst du öffentlich von allen Anschuldigungen freigesprochen werden in meinen Augen bist du es schon jetzt Sie küßte mich und wandte sich dann an Helene Wie befindest du dich heute abend Helene Hast du viel gehustet Nicht ganz so viel wie sonst Fräulein Und die Brustschmerzen Damit ist es besser Fräulein Temple stand auf erfaßte ihre Hand und befühlte ihren Puls sodann kehrte sie zu ihrem Stuhle zurück und ich hörte sie leise seufzen während sie sich hinsetzte Sie blieb einige Minuten