schon lange hier Zwei Jahre Fühlst du dich hier glücklich Du fragst etwas zu viel Für jetzt habe ich dir genug geantwortet ich will nun lesen In diesem Augenblicke aber wurde zum Mittagessen geläutet und alles ging ins Haus zurück Der Geruch der jetzt das Speisezimmer erfüllte war nicht viel appetitlicher als der beim Frühstück unsere Nasen so geärgert hatte Ich fand daß das uns vorgesetzte Essen aus mittelmäßigen Kartoffeln und Stücken zweifelhaften Fleisches die miteinander gekocht worden waren bestand Von diesem Mixtum Kompositum wurde jeder Schülerin ein ziemlich gehäufter Teller voll gegeben Diesmal aß ich herzhaft und fragte mich ob wohl jeder Tag eine gleich gute Kost bringen würde Nach dem Mittagessen fingen die Lektionen wieder an sie dauerten bis fünf Uhr Das einzige nennenswerte Ereignis dieses Nachmittags war daß ich sah wie das Mädchen mit dem ich in der Veranda gesprochen hatte von Fräulein Scatcherd heftig gescholten wurde und sich zur Strafe mitten in das große Schulzimmer hinstellen mußte Die Strafe schien mir zu schmachvoll für ein so großes Mädchen sie schien dreizehn Jahr oder darüber zu sein und ich erwartete daß sie große Betrübnis an den Tag legen würde zu meinem großen Erstaunen aber weinte sie weder noch errötete sie Gefaßt obgleich ernst stand sie da der Zielpunkt aller Augen Wie kann sie das nur so ruhig so standhaft hinnehmen fragte ich mich Wäre ich an ihrer Stelle so würde ich scheint es mir wünschen es möchte sich die Erde auftun und mich verschlingen Sie sieht aus als dächte sie an etwas was mit ihrer Strafe ihrer Umgebung nichts gemein hat an etwas was nicht in ihrer Nähe nicht vor ihr ist Ich habe von Träumen gehört die man im Zustande des Wachens träumt hat sie jetzt etwa einen solchen Traum Ihre Augen sind auf den Boden geheftet aber ich bin gewiß sie sehen ihn nicht ihr Auge scheint nach Innen gekehrt zu sein Dinge zu schauen deren sie sich zu entsinnen vermag nicht das was in Wirklichkeit vor ihr ist Ich möchte wohl wissen was für ein Mädchen sie ist ob brav oder ein Nichtsnutz Bald nach fünf Uhr bekamen wir einen kleinen Becher voll Kaffee und eine halbe Schnitte Schwarzbrot Ich verschlang mein Brot und trank meinen Kaffee mit gutem Appetit aber ich hätte gern noch einmal soviel gehabt Nun folgte eine halbstündige Erholung dann ging es wieder ans Lernen darauf kam das Glas Wasser und ein Stück Haferkuchen das Gebet und endlich das Bett So verging mir der erste Tag zu Lowood Sechstes Kapitel Der nächste Tag begann wie der vorige wir standen auf und kleideten uns beim Scheine eines Nachtlichts an Diesen Morgen aber war keine Möglichkeit die Zeremonie des Waschens vorzunehmen das Wasser in den Krügen war gefroren Am vorhergehenden Abend hatte das Wetter sich geändert und ein scharfer Nordostwind der durch die Ritzen an den Fenstern die ganze Nacht hindurch pfiff hatte uns in unsern Betten vor Kälte zittern gemacht und den Inhalt der Wasserkannen in Eis verwandelt Bis das anderthalb