ließ sie mich allein Während ich mir hier meine halberstarrten Finger wärmte ging die Tür auf und herein traten zwei Damen von denen die eine ein Licht trug Die erste war eine schlanke Dame mit dunklem Haar schwarzen Augen und einer blassen und hohen Stirn ihre Gestalt war zum Teil in einen Shawl gehüllt der Ausdruck ihres Gesichtes ernst ihre Haltung gerade Das Kind ist doch noch gar zu jung um es so allein herzuschicken sagte sie indem sie ihren Leuchter auf den Tisch stellte Sie betrachtete mich eine bis zwei Minuten mit vieler Aufmerksamkeit und setzte sodann hinzu Es wäre wohl besser wenn sie bald zu Bett gebracht würde sie sieht müde aus Bist du müde fragte sie ihre Hand auf meine Schulter legend Ein bißchen Und wohl auch hungrig Lassen Sie ihr bevor sie zu Bette geht etwas zu essen geben Fräulein Miller Ist es das erste Mal daß du deine Eltern verläßt um in die Schule zu gehen arme Kleine ich sagte ihr daß ich keine Eltern hätte Sie fragte mich nun wie alt ich sei wie ich hieße ob ich lesen schreiben und ein wenig nähen könne Sodann berührte sie meine Wange sanft mit dem Zeigefinger sagte sie hoffe daß ich ein artiges Kind sein würde und entließ mich mit Fräulein Miller die mich durch viele Korridore führte bis wir in einen langen Saal mit großen tannenen Tischen eintraten deren ich an jedem Ende zwei bemerkte und auf denen je zwei Lichte brannten Auf den Bänken aber saßen etwa achtzig Mädchen jeden Alters von neun oder zehn bis zwanzig Jahren die eine wie die andere in braune Zeugröcke von sonderbarem Schnitt und lange Leinwandschürzen gekleidet Sie waren damit beschäftigt ihre Aufgaben für den nächsten Morgen durchzugehen und das Gesumme das ich gehört hatte war das vereinigte Resultat ihres mit flüsternder Stimme vorgenommenen Repetierens Fräulein Miller hieß mich mit einem Zeichen auf einer Bank neben der Tür Platz nehmen sodann ging sie bis ans berste Ende des langen Saals und rief laut Aufseherinnen sammelt die Bücher ein Vier große Mädchen erhoben sich von verschiedenen Tischen gingen herum sammelten die Bücher ein und legten sie auf die Seite Abermals erscholl ein Kommandowort Aufseherinnen holt das Abendessen herein Die großen Mädchen gingen hinaus und brachten jede auf einem Brett einen dünnen in Stücke zerteilten Haferkuchen herein außerdem stand auf jedem Brett ein großer Wasserkrug nebst einem Becher Die Portionen wurden herumgereicht die Lust hatten tranken aus dem allen gemeinschaftlichen Becher In dem großen Kruge aber war Wasser Als der Becher zu mir kam trank ich denn ich war durstig die Speise jedoch rührte ich nicht an da Aufregung und Müdigkeit mich zum Essen ganz und gar unfähig machten Als das Abendessen vorüber war las Fräulein Miller ein Gebet vor und nun zogen die Klassen je zwei Schülerinnen nebeneinander ab und die Treppe hinauf Von Müdigkeit überwältigt bemerkte ich in dem Augenblicke kaum was für ein Ort der Schlafsaal war nur so viel sah ich daß er gleich dem Unterrichtssaale