erreichen konnten In der Halle nahm er mir den Schal ab und strich das Wasser von meinen aufgelösten Haaren als Frau Fairfax aus ihrem Zimmer herauskam Ich bemerkte sie anfänglich nicht und ebensowenig Rochester Die Lampe war angezündet Es konnte jeden Augenblick zwölf Uhr schlagen Lege eilends deine nassen Kleider ab sagte er und gute Nacht gute Nacht mein Engel Er küßte mich zu wiederholten Malen Als ich mich seinen Armen entwand zeigte sich meinen Blicken die Gestalt der Witwe die uns blaß ernst und mit höchlich erstauntem Ausdruck betrachtete Ich lächelte ihr bloß zu und lief die Treppe hinauf Die Erklärung wird ein anderesmal erfolgen dachte ich Doch war mir als ich mein Zimmer erreichte der Gedanke sehr peinlich daß sie nur einen Augenblick das was sie gesehen falsch deuten könnte Aber die Freude verdrängte bald jedes andere Gefühl und wie laut auch der Wind blies wie nahe auch der Donner rollte wie wild und wie oft auch die Blitze zuckten wie gewaltig auch der Regen zwei Stunden lang herabströmte so blieb mir doch alle Furcht fern Rochester kam während des Gewitters dreimal an meine Tür um zu fragen ob mir nichts zugestoßen sei ob ich mich nicht ängstigte Mehr brauchte ich nicht um mich behaglich und glücklich zu fühlen Vierundzwanzigstes Kapitel Als ich aufstand und mich ankleidete dachte ich über das Geschehene nach es däuchte mir alles nur ein Traum Ich konnte mir von dem Geschehenen so lange keine Gewißheit verschaffen als ich Rochester nicht wiedergesehen und aufs neue seine Worte der Liebe gehört hatte Während ich mir die Haare machte betrachtete ich im Spiegel mein Gesicht und sah daß es nicht mehr so unschön war Es lag Hoffnung in seinem Ausdruck und Leben in seiner Farbe meine Augen sahen aus als hätten sie die Quelle der Freude geschaut Ich hatte oft meinen Herrn nicht Anblicken mögen weil ich fürchtete es möchte ihm mein Aussehen nicht gefallen nun aber hielt ich es für ausgemacht daß ich mein Angesicht zu dem seinigen erheben durfte ohne eine Abkühlung seiner zärtlichen Liebe befürchten zu müssen Ich nahm ein einfaches aber leichtes Sommerkleid aus meinem Schranke und zog es an Es schien mir als habe mir noch nie ein Kleid so gut gestanden und dies nur weil ich mich noch nie in einem solchen Wonnerausch befunden hatte Ich war nicht überrascht als ich sah daß ein sonnenheller Junimorgen auf das Gewitter der Nacht gefolgt war Mußte doch da ich so glücklich war auch die Natur froh und heiter sein Eine Bettlerin und ihr Kind beide bleich und zerlumpt kamen den Weg herauf und ich lief hinab um ihnen alles Geld das ich gerade in meiner Börse hatte drei oder vier Schillinge zu geben ob gute Menschen oder Gesindel sie sollten an meiner Fröhlichkeit teilnehmen Die Dohlen krächzten und lustigere Vögel sangen nichts aber war so heiter und wohltönend wie mein eigenes frohlockendes Herz Es wunderte mich daß Frau Fairfax so trauervoll aussah und in so ernstem Tone sprach als sie mich durch