getreue Freundschaft zeigte die nie durch üble Laune verbittert oder durch Reizbarkeit getrübt wurde Aber Helene war jetzt krank schon seit einigen Wochen war sie mir aus dem Gesichte gekommen und ich wußte nicht in welchem Zimmer sie sich befand Man sagte mir sie sei nicht in dem zum Hospitale eingerichteten Theile des Hauses bei den Fieberkranken denn sie leide an der Auszehrung und nicht am Typhus und unter Auszehrung verstand ich in meiner Unwissenheit etwas Mildes was durch Zeit und Sorgfalt gewiß wieder aufgehoben werden würde Ich wurde in dieser Ansicht durch den Umstand bestärkt daß sie einigemal an sehr warmen und sonnigen Nachmittagen herunterkam und von Miß Temple im Garten umhergeführt wurde Aber bei diesen Gelegenheiten wurde es mir nicht gestattet zu ihr zu gehen und mit ihr zu reden ich sah nur ihre Gestalt aus dem Schulfenster und noch nicht einmal deutlich denn sie war eingehüllt und saß in einiger Entfernung unter dem bedeckten Gange Eines Abends zu Anfang des Junius war ich mit Maria Anna sehr spät im Walde geblieben wir hatten uns wie gewöhnlich von den Andern getrennt und waren weit umhergewandert so daß wir uns verirrt hatten und in einer einsamen Hütte wo ein Mann und eine Frau wohnten die eine halbwilde Schweineherde hüteten die im Walde auf die Mast ging nach dem Wege fragen mußten A1s wir zurückkehrten war der Mond schon aufgegangen und es stand ein Pferd an der Gartenthür welches wir als das des Arztes erkannten Maria Anna sprach die Vermuthung aus es müsse Jemand sehr krank sein da man Herrn Bates noch so spät habe rufen lassen Sie ging ins Haus und ich blieb noch einige Minuten zurück um eine Handvoll Wurzeln in meinen Garten zu pflanzen die ich im Walde ausgegraben und von denen ich fürchtete daß sie bis zum Morgen verwelken möchten wenn ich sie nicht schon jetzt in die Erde setzte Als dies geschehen war verweilte ich noch ein wenig länger die Blumen dufteten so lieblich als der Thau fiel es war ein so angenehmer heiterer und warmer Abend der noch glühende Westen verhieß einen schönen Morgen der Mond erhob sich mit solcher Majestät im dunklen Osten Ich beobachtete diese Dinge und erfreute mich ihrer wie ein Kind es kann als mir wie oft zuvor der Gedanke einfiel Wie traurig jetzt auf dem Krankenlager zu liegen in Gefahr und dem Tode nahe zu sein Diese Welt ist angenehm es muß schrecklich sein von ihr abgerufen zu werden und gehen zu müssen wer weiß wohin Und dann machte mein Geist seine erste ernste Anstrengung zu begreifen was man mir von Himmel und Hölle gesagt hatte und zum ersten Male wich er nach einer vergeblichen Bemühung zurück und zum ersten Male blickte er hinter sich zu jeder Seite hin und vor sich und Alles erschien ihm wie ein unergründlicher Schlund er fühlte den einzigen Punkt wo er stand die Gegenwart alles Uebrige war eine formlose Wolke und eine leere Tiefe und er schauderte bei dem Gedanken in dieses Chaos