eine Chaise Fräulein eine sehr hübsche Chaise.” Lassen Sie sogleich anspannen und wenn Ihr Postillon mich heute vor Anbruch der Nacht nach Ferndean bringt so will ich Ihnen und ihm das Doppelte zahlen was Sie gewöhnlich erhalten Elftes Kapitel Das Herrenhaus zu Ferndean war ein Gebäude von beträchtlichem Alter mäßiger Größe ohne Ansprüche auf architectonische Schönheit und lag tief im Walde Ich hatte schon früher davon gehört Herr Rochester sprach oft davon und ging zuweilen dorthin Sein Vater hatte das Gut wegen der Jagd gekauft Er würde das Haus vermiethet haben doch konnte er wegen der unpassenden und ungesunden Lage keinen Miether finden Ferndean blieb also unbewohnt und unmöblirt mit ausnahme von zwei oder drei Zimmern die für den Besitzer eingerichtet waren wenn er zur Jagdzeit dorthin kam Dieses Haus erreichte ich gerade vor Anbruch der Nacht an einem Abend der sich durch bewölkten Himmel kalten Wind und beständigen durchdringenden Regen carakterisirte Die letzte Meile m achte ich zu Fuß nachdem ich den Postillon mit dem Wagen entlassen und ihm das Doppelte gegeben was ich ihm versprochen Selbst in geringer Entfernung von dem Herrenhause konnte ich noch Nichts davon sehen so dicht und dunkel waren die Bäume des finstern Waldes der es umgab Ein eisernes Thor zwischen granitnen Pfeilern zeigte mir wo ich eintreten mußte und als ich durch dasselbe ging befand ich mich sogleich in dem Zwielicht dichtstehender Bäume Ein mit Gras bewachsener Weg führte zwischen rauhen und knotigen Stämmen und weit verzweigten Aesten fort Ich verfolgte ihn und erwartete bald die Wohnung zu erreichen aber der Weg erstreckte sich immer weiter und weiter es war keine Spur von einer Wohnung oder einer Anlage sichtbar Ich dachte schon ich hätte eine falsche Richtung eingeschlagen und meinen Weg verloren Die durch den Wald vermehrte Dunkelheit umgab mich und ich sah mich nach einem anderen Wege um Es war keiner da Nichts als dichtverwachsene Gesträuche und hohe Stämme in ihrem Sommerlaub nirgends eine Oeffnung — ich ging weiter endlich öffnete sich mein Weg die Bäume lichteten sich ein wenig zuerst sah ich eine Einfassung und dann ein Haus bei dem trüben Lichte kaum zu unterscheiden so grün und bemoost waren die hinfälligen Mauern Durch ein Thor eintretend welches nur eingeklinkt war stand ich auf einem eingeschlossenen Rasenplatze der im Halbkreise von dem Walde umgeben war Da zeigten sich keine Blumen keine Gartenbeete nur ein breiter Kiesweg zog sich um einen Grasplatz der von den schweren Zweigen des Waldes eingefaßt war Die Fronte des Hauses zeigte zwei spitze Giebel die Fenster waren schmal und vergittert die Vorderthür war ebenfalls eng und es führte eine einzige Stufe derselben hinauf Das Ganze erschien wie der Wirth mir gesagt als ein ganz verlassener Ort Es war so still wie eine Kirche am Werktage das Plätschern des Regens auf das Land des Waldes war das einzige vernehmbare Geräusch in der Nähe Kann hier Leben sein ” fragte ich Ja Leben irgend einer Art war da denn ich hörte eine Bewegung die schmale Vorderthür öffnete sich und