öde Die Fronte war wie ich sie einst im Traum gesehen nur eine muschelartige Mauer sehr hoch und sehr zerbrechlich aussehend worin sich scheibenlose Fenster befanden kein Dach keine Zinnen kein Schornstein Alles war zusammengestürzt Und rings umher herrschte das Schweigen des Todes die Stille einer einsamen Wildniß Kein Wunder daß ich auf Briefe die ich hieher geschrieben keine Antwort erhalten ebenso gut hätte ich Briefe an ein Todtengewölbe absenden können Die Schwärze der Steine sagte mir daß die Halle durch eine Feuersbrunst zerstört worden war aber wie mochte sie entstanden sein Welche Geschichte mochte mit diesem Unheil in Verbindung stehen Welcher Verlust außer dem Mörtel den Steinen und dem Holzwerk es begleitet haben War ein Leben untergegangen wie ein Besitzthum Und wessen Leben Schreckliche Frage es war Niemand da um sie zu beantworten nicht einmal ein stummes Zeichen Als ich um die zerstörten Mauern und durch das verwüstete Innere wanderte bemerkte ich daß das Unheil nicht erst kürzlich geschehen sei Es kam mir vor als hätte Winterschnee durch jenen leeren Bogen geweht als hätte Winterregen an jene hohlen Fenster geschlagen denn auf den durchnäßten Schutthaufen hatte der Frühling eine Vegetation hervorgebracht Gras und Unkraut waren hie und da zwischen den Steinen und den hingefallenen Balken aufgeschossen O wo möchte inzwischen der unglückliche Besitzer dieser Ruine gewesen sein In welchem Lande Unter welchen Umständen Mein Auge wanderte unwillkürlich zu dem grauen Kirchthurme in der Nähe der Pforte und ich fragte Sollte er bei Damer von Rochester sein und das Obdach seines engen Hauses theilen ” Ich mußte eine Antwort auf diese Fragen haben Ich konnte sie nur in dem Gasthofe finden und dorthin kehrte ich bald zurück Der Wirth brachte mir mein Frühstück in das Gastzimmer Ich bat ihn die Thüre zuzumachen und sich niederzusetzen denn ich habe ihm einige Fragen vorzulegen Als er aber einwilligte wußte ich kaum wie ich beginnen sollte so fürchtete ich die möglichen Antworten und doch bereitete mich das Schauspiel der Verwüstung welches ich eben verlassen einigermaßen auf einen unheilvollen Bericht vor Der Wirth war ein anständig aussehender Mann im mittleren Alter Thornfield Hall wird Ihnen bekannt sein sagte ich endlich “Ja mein Fräulein ich hielt mich einst dort auf.” “Ei — nicht zu meiner Zeit dachte ich Sie sind mir fremd.” Ich war Kellermeister bei dem verstorbenen Herrn Rochester ” fügte er hinzu Bei dem verstorbenen es war als hätte ich mit voller Kraft den Schlag erhalten dem ich auszuweichen suchte “Bei dem verstorbenen brachte ich mit Mühe hervor Ist er todt ” Ich meine den Vater des gegenwärtigen Herrn Eduard ” fügte er hinzu Ich athmete wieder mein Blut setzte seinen Lauf fort Durch diese Worte vollkommen beruhigt daß Herr Eduard — mein Rochester Gott segne ihn wo er auch weilen möge noch lebe glaubte ich alles Folgende welche Mitheilungen er mir auch machen möge mit verhältnißmäßiger Ruhe anhören zu können Da er nicht im Grabe war glaubte ich erfahren zu können daß er bei den Antipoden sei Wohnt Herr Rochester jetzt in