auf meine Kniee und betete auf meine Art — auf andere Art als Saint John aber wirksam auf meine Weise Ich schien ganz nahe zu einem mächtigen Geiste zu dringen und meine Seele stürzte sich in Dankbarkeit zu seinen Füßen Ich erhob mich von dem Dankgebet — faßte einen Entschluß — legte mich unerschrocken und erleuchtet nieder und erwartete nur das Tageslicht Zehntes Kapitel Das Tageslicht kam Ich stand in der Dämmerung auf Ich beschäftigte mich eine oder zwei Stunden damit meine Sachen in meinem Zimmer in den Komoden und in der Garderobe in die Ordnung zu bringen worin ich sie während meiner kurzen Abwesenheit zu lassen wünschte Inzwischen hörte ich wie Saint John sein Zimmer verließ Er blieb vor meiner Thür stehen ich fürchtete er würde anklopfen doch nein er steckte nur einen Papierstreifen unter der Thür herein Ich nahm ihn auf Er enthielt folgende Worte Sie verließen mich gestern Abend zu plötzlich Wären Sie nur noch ein wenig länger geblieben so hätten Sie Ihre Hand auf des Christen Kreuz und des Engels Krone gelegt Ich werde Ihre unumwundene Entscheidung erwarten wenn ich über vierzehn Tage zurückkehre Inzwischen wachen und beten Sie daß Sie nicht in Anfechtung fallen ich hoffe der Geist ist willig aber ich sehe das Fleisch ist schwach Ich werde stündlich für Sie beten Der Ihrige Saint John.” Mein Geist ist willig zu thun was recht ist antwortete ich bei mir selber und ich hoffe mein Fleisch ist stark genug den Willen des Himmels zu erfüllen wenn dieser Wille mir erst deutlich bekannt ist Auf jeden Fall wird es stark genug sein nach einem Auswege zu suchen und zu forschen aus dieser Wolke des Zweifels zu kommen und den hellen Tag der Gewißheit zu finden Wir hatten den ersten Junius doch das Wetter war trübe und kalt und der Regen schlug heftig an mein Fenster Ich hörte wie die Hausthür sich öffnete und Saint John hinausging Als ich durch 's Fenster blickte sah ich ihn durch den Garten gehen Er nahm seinen Weg über das neblige Moor nach der Richtung von Whitcroß zu dort wollte er den Omnibus treffen In wenigen Stunden werde ich Dir auf jenem Wege folgen Vetter ” dachte ich auch ich muß eine Kutsche bei Whitcroß erwarten Auch ich habe Jemand in England zu besuchen oder ihm nachzufragen ehe ich auf immer abreise Es fehlten noch zwei Stunden bis zur Frühstückszeit Ich füllte den Zwischenraum damit aus leise in meinem Zimmer auf und ab zu gehen und die Erscheinung zu überdenken die meinen Plänen ihre gegenwärtige Richtung gegeben Ich erinnerte mich an jene innere Empfindung die ich erfahren denn ich konnte sie mir mit all ihrer unaussprechlichen Seltsamkeit vorstellen Ich erinnerte mich der Stimme die ich gehört und fragte auch jetzt vergebens woher sie gekommen sie schien in mir und nicht in der äußern Welt gewesen zu sein Ich fragte ob es ein bloß nervöser Eindruck eine Täuschung gewesen Ich konnte es nicht begreifen oder glauben das Ganze glich mehr einer Inspiration