geduldig und ruhig und als ich ihn fragte ob er mir verzeihen wolle da antwortete er es sei nicht seine Gewohnheit die Erinnerung an einen Aerger zu bewahren er habe mir Nichts zu verzeihen da ich ihn nicht beleidigt Und mit dieser Antwort verließ er mich Ich hätte lieber gesehen er hätte mich zu Boden geschlagen Neuntes Kapitel Er reiste am nächsten Tage nicht nach Cambridge ab wie er gesagt Er verschob seine Abreise noch eine ganze Woche und während dieser Zeit mußte ich die schwere Strafe fühlen die ein guter aber strenger ein gewissenhafter aber unerbittlicher Mann einer Person auferlegen kann die ihn beleidigt hat Ohne eine offene Handlung der Feindseligkeit ohne ein tadelndes Wort gelang es ihm mir augenblicklich die Ueberzeugung aufzudringen daß ich die Grenze seiner Gunst überschritten habe Nicht als hätte Saint John einen Geist unchristlicher Rachsucht gehegt nicht als würde er mir ein Haar auf meinem Haupte verletzt haben auch wenn es völlig in seiner Macht gestanden Sowohl von Natur als aus Grundsätzen war er erhaben über die gemeine Befriedigung der Rache er hatte mir verziehen daß ich gesagt ich verachte ihn und seine Liebe aber er hatte die Worte nicht vergessen und konnte sie nicht vergessen so lange wir Beide lebten Ich sah es seinem Blicke an wenn er auf mich gerichtet war daß sie immer in der Luft zwischen mir und ihm geschrieben standen immer wenn ich sprach tönten sie ihm vermöge meiner Stimme in’s Ohr und ihr Echo klang aus jeder Antwort die er mir gab Er vermied es nicht sich mit mir zu unterreden er rief mich sogar wie gewöhnlich jeden Morgen an sein Pult und ich fürchte der verdorbene Mensch in ihm fand Vergnügen welches der reine Christ nicht theilte zu zeigen mit welcher Geschicklichkeit er während er dem Anschein nach wie gewöhnlich handelte und sprach aus jeder Handlung und jeder Phrase den Geist des Interesse und der Billigung zu entfernen vermöge der früher seiner Sprache und seinem Wesen einen gewissen strengen Reiz mitgetheilt hatte Für mich war er in Wahrheit nicht mehr Fleisch sondern Marmor sein Auge war ein kalter glänzender blauer Edelstein seine Zunge ein redendes Instrument – Nichts weiter Dies Alles war eine lange und raffinirte Folterqual für mich Es unterhielt ein langsames Feuer des Unwillens und eine bebende Unruhe des Kummers die mich erschütterte und gänzlich darnieder drückte Ich fühlte wenn ich sein Weib wäre wie dieser gute Mann so rein wie die tiefe sonnenlose Quelle mich bald tödten würde ohne einen Blutstropfen aus meinen Adern zu ziehen und ohne den schwächsten Flecken eines Verbrechens auf sein krystallreines Gewissen zu bekommen Besonders fühlte ich dies wenn ich ihn zu versöhnen suchte Keine Reue begegnete meine Reue Die Entfremdung verursachte ihm kein Leiden kein Verlangen nach Aussöhnung und obgleich mehr als einmal meine Thränen anhaltend auf das Buch fielen über welches wir uns Beide neigten so brachten sie doch nicht mehr Wirkung auf ihn hervor als wenn sein Herz wirklich von Stein oder Metall gewesen wäre Gegen