meinen Schülerinnen wahrnehmen werde in einigen Monaten den Widerwillen in Genuß verwandelt Inzwischen will ich mir eine Frage vorlegen Was ist besser mich der Versuchung hingegeben auf die Leidenschaft gehorcht keine schmerzliche Anstrengung — keinen Kampf gewagt zu haben — in die seidene Schlinge gefallen auf den Blumen die sie bedeckten eingeschlummert in einer südlichen Zone unter dem Luxus einer anmuthigen Villa erwacht zu sein um in Frankreich als Rochester’s Maitresse zu leben meine halbe Lebenszeit von seiner Lebe berauscht zu sein — denn er hätte — o ja er hätte mich eine Weile innig geliebt Er liebte mich in der That — Niemand wird mich je wieder so lieben Ich werde nie wieder die süße Huldigung kennen die man der Schönheit der Jugend und Anmuth darbringt — denn Niemand anders wird mich im Besitze dieser Reize glauben Er war zärtlich gegen mich und stolz auf mich — das wird sonst kein Mann wieder sein — Aber wohin verirre ich mich und was sage ich und vor allen Dingen was fühle ich Was ist besser frage ich eine Sclavin zu sein in einem Narrenparadiese bei Marseille — die eine Stunde durch täuschende Wonne in Fieberglut versetzt — die nächste von den bittersten Thränen der Reue und Schaam erstickt — oder eine Dorfschulmeisterin zu sein frei und redlich in einem luftigen Bergwinkel in dem gesunden Herzen von England Ja ich fühle jetzt daß ich Recht hatte als ich meinen Grundsätzen und den Gesetzen Gottes anhing und die unsinnigen Eingebungen eines wahnsinnigen Augenblicks verachtete und mit Füßen trat Gott leitete mich zu einer richtigen Wahl ich danke seiner Vorsehung für diese Leitung Als ich mein Nachdenken beendet hatte stand ich auf trat in die Thür und betrachtete den Sonnenuntergang des Herbsttages und die ruhigen Felder vor meiner Hütte die nebst der Schule eine halbe englische Meile von dem Dorfe entfernt lag Die Vögel sangen ihre letzten Lieder Die Luft war mild Balsam der Thau Während ich in mich blickte hielt ich mich für glücklich und war überrascht als ich bald darauf weinte — und warum Wegen des Schicksals welches mich von der Anhänglichkeit an meinen Herrn losgerissen um ihn den ich nicht mehr sehen sollte wegen des verzweifelten Kummers und der unheilvollen Wuth — die Folgen meiner Abreise — die ihn jetzt vielleicht von dem rechten Pfade abziehen mochten zu weit um eine Hoffnung auf endliche Rückkehr übrig zu lassen Bei diesem Gedanken wendete ich mein Gesicht von dem lieblichen Abendhimmel und dem einsamen Thale von Morton ab — ich sage einsam denn in dem Theile der mir sichtbar war konnte ich kein anderes Gebäude erkennen als die Kirche und die halb unter Bäumen verborgene Pfarrwohnung und am äußersten Ende das Dach von Vale Hall wo der reiche Herr Oliver und seine Tochter wohnten Ich bedeckte meine Augen und lehnte meinen Kopf an die steinerne Einfassung meiner Thür aber bald machte ein leises Geräusch in der Nähe des Pförtchens welches meinen kleinen Garten von der Wiese trennte daß ich aufblickte Ein Hund