lieblichen Tage die Stunden des Aufganges und Unterganges der Sonne das Mondlicht und die bewölkte Nacht entwickelten in jener Gegend für mich denselben Reiz wie für sie — umhüllten meine Sinne mit demselben Zauber der die ihrigen in Entzücken versetzte Im häuslichen Kreise stimmten wir ebenso gut mit einander überein Beide besaßen mehr Fertigkeiten und waren belesener als ich aber mit Lebhaftigkeit verfolgte ich den Weg der Kenntniß den sie vor mir betreten Ich verschlang die Bücher die sie mir borgten und dann war es ein Genuß am Abend mit ihnen zu besprechen was ich während des Tages gelesen Der Gedanke entsprach dem Gedanken die Ansicht begegnete der Ansicht kurz wir stimmten vollkommen überein Wenn in unserm Kleeblatt eine höher begabte Führerin war so war es Diana In physischer Hinsicht übertraf sie mich weit denn sie war schön und kräftig In ihrem animalischen Geiste war ein Ueberfluß von Leben und eine gewisse Glut die meine Verwunderung erregte und über meine Begriffe ging Ich konnte eine Weile reden wenn der Abend begann aber wenn der erste Fluß der Lebhaftigkeit vorüber war saß ich gern auf einem niedrigen Schemel zu Diana 's Füßen um meinen Kopf auf ihrem Knie ruhen zu lassen und ihr und Maria abwechselnd zuzuhören während sie den Gegenstand vollständig erschöpften den ich nur flüchtig berührt hatte Diana erbot sich mich im Deutschen zu unterrichten Ich lernte gern von ihr ich sah daß die Rolle der Lehrerin ihr gefiel und für sie paßte die der Schülerin gefiel und paßte mir nicht weniger Unsere Naturen verschmolzen sich wechselseitige Zuneigung der stärksten Art war der Erfolg Sie entdeckten daß ich zeichnen könne ihre Pinsel und Farbenkasten standen sogleich zu meinen Diensten Meine Geschicklichkeit die in diesem einenPunkte größer war als die ihre überraschte und bezauberte sie Maria saß da und beobachtete mich stundenlang dann wollte sie Unterricht bei mir nehmen und ich hatte an ihr eine gelehrige verständige und fleißige Schülerin So beschäftigt und uns wechselseitig unterhaltend vergingen die Tage die Stunden und die Wochen Die Vertraulichkeit die so natürlich und rasch zwischen mir und den Schwestern entstanden war erstreckte sich nicht auf Herrn Saint John Ein Grund der Kälte die noch zwischen uns bemerkbar war lag darin daß er sich selten zu Hause befand einen großen Theil seiner Zeit schien er damit zuzubringen die Kranken und Armen in der spärlichen Bevölkerung seiner Gemeinde zu besuchen Kein Wetter schien ihn an diesen amtlichen Pflichten zu verhindern mochte es regnen oder schönes Wetter sein Wenn die Stunden seines Morgenstudiums vorüber waren nahm er seinen Hut und ging von Carlo dem alten Wachtelhunde seines Vaters begleitet um sein Amt der Liebe und Pflicht zu erfüllen — ich wußte nicht recht aus welchem Gesichtspunkte er es betrachtete Zuweilen wenn das Wetter sehr ungünstig war machten ihm seine Schwestern Vorstellungen Dann pflegte er mit eigenthümlichem mehr feierlichen als heiteren Lächeln zu sagen Wenn ich mich durch einen Windstoß oder durch einen Regenschauer von der Erfüllung dieser leichten Aufgabe wollte abbringen lassen wie könnte ich mich