entgegnete er “wozu ist es nöthig bei der Vergangenheit zu verweilen wenn die Gegenwart um so viel sicherer die Zukunft um so glänzender ist ” Ich empfand einen Schauder bei dieser bethörten Behauptung Du siehst jetzt wie die Sache steht nicht wahr ” fuhr er fort Nach einer Jugend und einem Mannesalter halb in unaussprechlichem Elend und halb in trostloser Einsamkeit zugebracht habe ich zuerst gefunden was ich wahrhaft lieben kann — ich habe Dich gefunden Du bist meine Sympathie — mein besseres Ich — mein guter Engel — ich bin vermöge einer starken Neigung an Dich gebunden Ich halte Dich für gut für begabt für liebenswürdig eine glühende feierliche Leidenschaft hat sich in meinem Herzen erzeugt sie neigt sich zu Dir zieht Dich in mein Centrum in die Quelle des Lebens hüllt mein Dasein um Dich — zündet eine reine mächtige Flamme an und gießt Dich und mich zusammen in Eins Weil ich dies fühlte und wußte war ich entschlossen Dich zu heirathen Mir zu sagen daß ich schon ein Weib habe ist leerer Spott Du weißt jetzt daß ich nur einen scheußlichen Teufel hatte Es war unrecht von mir Dich täuschen zu wollen aber ich fürchtete eine Widersetzlichkeit in Deinem Charakter Ich fürchtete früh eingepflanzte Vorurtheile ich wollte Dich sicher haben ehe ich vertraute Mittheilungen wagte Dies war feig ich hätte mich gleich anfangs an den Adel Deiner großen Seele wenden sollen wie ich jetzt thue Dir offen mein Leben der Qual darlegen — Dir meinen Hunger und Durst nach einem höheren und würdigeren Dasein schildern — Dir zeigen sollen nicht meinen Entschluß das Wort ist zu schwach sondern meinen unwiderstehlichen Trieb treu und wahr lieben wo ich treu und wahr wieder geliebt werde Dann hätte ich Dich bitten sollen das Wort meiner Treue anzunehmen und mir das Deine zurückzugeben Johanna — gib mir es jetzt.” Es trat eine Pause ein Warum schweigst Du Johanna Ich stand einen heftigen Kampf aus eine Hand wie glühendes Eisen griff in mein innerstes Leben und schrecklicher Augenblick Alles war dunkel um mich her und ein wüthender Kampf ging in mir vor Kein menschliches Wesen welches je lebte könnte wünschen inniger geliebt zu werden als ich geliebt wurde und den der mich so liebte betete ich im eigentlichsten Sinne des Wortes an und ich mußte dieser Liebe und diesem Idol entsagen Ein schreckliches Wort sprach meine unerträgliche Pflicht aus “Scheide ” Johanna Du mußt verstehen was ich von Dir verlange Nur dieses Versprechen “”Ich will die Ihre sein Herr Rochester.”” Herr Rochester ich will nicht die Ihre sein Wieder ein langes Schweigen Johanna fuhr er mit einer Milde fort die mich eiskalt vor unheimlichem Schrecken machte denn diese leise Stimme war das tiefe Athmen eines Löwen der sich erbeben wollte — “Johanna Du meinst Du willst einen Weg in der Welt gehen und ich soll den andern gehen ” Ich meine es Johanna fuhr er fort sich zu mir neigend und mich umarmend meinst Du es noch jetzt ” Ich meine es.”