angelehnt ich konnte horchen und beobachten Adele nahm Deine äußere Aufmerksamkeit auf eine Weile in Anspruch doch ich bildete mir ein daß Deine Gedanken anderswo waren aber Du warst sehr geduldig mit ihr meine kleine Johanna Du sprachst mit ihr und unterhieltest sie eine lange Zeit Als sie Dich ehrlich verließ versankest Du in eine tiefe Träumerei und begannst langsam in der Gallerie auf und abzugehen Von Zeit zu Zeit wenn Du an einem Fenster vorüberkamst blicktest Du hinaus nach dem dichtfallenden Schnee Du horchtest auf den seufzenden Wind und gingst dann leise weiter und träumtest Ich denke diese Visionen bei Tage waren nicht düster es war zuweilen ein freudiges Aufleuchten in Deinem Auge zu bemerken eine sanfte Aufregung in Deinem ganzen Wesen die kein bitteres gallichtes hypochondrisches Brüten verrieth Dein Blick zeigte vielmehr das süße Sinnen der Jugend wenn der Geist auf willigen Schwingen dem Fluge der Hoffnung auf zu einem idealen Himmel folgt Die Stimme der Mistreß Fairfax die in der Vorhalle mit einer Dienerin sprach erweckte Dich und wie eigenthümlich lächeltest Du für Dich und über Dich selbst Johanna Es war viel Sinn in Deinem Lächeln es war sehr schlau und schien über Deine eigene Zerstreutheit zu spötteln Es schien zu sagen “”Meine schönen Traumbilder sind alle sehr gut aber ich darf nicht vergessen daß sie durchaus unwesentlich sind Ich habe einen rosigen Himmel und ein grünes blumenreiches Eden in meinem Gehirn aber draußen das sehe ich wohl liegt eine rauhe Fläche über die ich wandern und um mich her sammeln sich schwarze Gewitterwolken denen ich begegnen muß.”” Du eiltest die Treppe hinunter und fordertest eine Beschäftigung von Mistreß Fairfax die wöchentliche Haushaltungsrechnung zu besorgen oder etwas dergleichen meine ich Ich war ärgerlich über Dich daß Du mir aus dem Gesichte kamst Ungeduldig erwartete ich den Abend wo ich Dich zu mir rufen konnte Ich vermuthete daß Dein Charakter ein ungewöhnlicher für mich völlig neuer sei ich wünschte ihn näher zu prüfen und besser kennen zu lernen Du tratest mit zugleich scheuem und unabhängigem Blick und Miene ins Zimmer Du warst zierlich gekleidet — fast so wie jetzt Ich brachte Dich zum Reden bald fand ich Dich voll seltsamer Widersprüche Deine Kleidung und Dein Benehmen waren einer gewissen Regel unterworfen Deine Miene war oft mißtrauisch und durchaus die eines Wesens von höherer Natur aber nicht an die Gesellschaft gewöhnt und sehr furchtsam sich auf unvortheilhafte Weise durch einen Sprachfehler oder irgend ein anderes Versehen bemerkbar zu machen doch als Du angeredet wurdest erhobst Du ein lebhaftes kühnes und glühendes Auge zu dem Gesichte des Anderen es lag Scharfsinn und Kraft in jedem Deiner Blicke wenn man genaue und bestimmte Fragen an Dich richtete fandest Du sogleich passende Antworten Sehr bald schienst Du Dich an mich zu gewöhnen — ich glaube Du fühltest das Vorhandensein der Sympathie zwischen Dir und Deinem trotzigen und gebieterischen Herrn Johanna denn es war erstaunenswerth zu sehen wie schnell eine gewisse angenehme Ruhe in Deinem Wesen sich zeigte ich mochte brummen wie ich