hemmen konnte und Grausamkeit wollte ich nicht anwenden Welch’ einen kleinen Geist und welche riesenhaften Begierden hatte sie Wie furchtbar wurden die Flüche jener Begierden an mir heim gesucht Bertha Mason — die wahre Tochter einer verworfenen Mutter schleppte mich durch alle die scheußlichen und entehrenden Qualen die einem Manne zu Theil werden müssen der an ein zugleich ungemäßigtes und unkeusches Weib gebunden ist Inzwischen war mein Bruder gestorben und nach Verlauf dieser vier Jahre starb mein Vater auch Ich war jetzt reich genug — und doch arm bis zur kläglichen Bedürftigkeit denn die roheste unreinste und verworfenste Natur war mit der meinen vereint und wurde vom Gesetze und von der Gesellschaft ein Theil von mir genannt Ich konnte mich durch kein gesetzliches Verfahren von ihr befreien denn die Aerzte entdeckten jetzt daß mein Weib wahnsinnig sei ihre Ausschweifungen hatten frühzeitig die Keime des Wahnsinns entwickelt — Johanna Dir gefällt meine Erzählung nicht Du siehst fast krank aus — soll ich das Uebrige auf einen andern Tag verschieben Nein mein Herr enden Sie jetzt ich bemitleide Sie — ich bemitleide Sie herzlich Mitleid Johanna ist von einigen Leuten eine traurige und beleidigende Art des Tributs den man gerechtfertigt ist denen in’s Gesicht zurückzuwerfen die uns ihn anbieten aber das ist die Art von Mitleid die rohen und selbstsüchtigen Herzen eigen ist es ist ein zweideutiger egoistischer Schmerz von Leiden zu hören mit unbewußter Verachtung verschmolzen für die welche sie erduldet haben Aber das ist nicht Dein Mitleid Johanna es ist nicht das Gefühl wovon Dein ganzes Gesicht in diesem Augenblicke voll ist — wovon Deine Augen jetzt fast überfließen wovon Dein Herz sich hebt wovon Deine Hand in der meinen zittert Dein Mitleid mein Liebling ist die leidende Mutter der Liebe ihre Qual ist der ursprüngliche Schmerz der göttlichen Leidenschaft Ich nehme es an Johanna wohlan laß die Tochter freien Zutritt haben — meine Arme warten sie zu empfangen.” Nun mein Herr fahren Sie fort was thaten Sie als Sie fanden daß sie wahnsinnig sei ” Johanna ich war dem Rande der Verzweiflung nahe ein Ueberbleibsel der Selbstachtung war Alles was sich zwischen mich und den Abgrund stellte Vor den Augen der Welt war ich ohne Zweifel mit schwerer Schande belastet aber ich beschloß vor meinen eigenen Augen rein zu sein bis zuletzt wies ich die Besteckung von ihren Lastern zurück und rang mich frei von der Verbindung mit ihren geistigen Mängeln Dennoch vereinte die Gesellschaft meinen Namen und meine Person mit ihr ich sah und hörte sie noch täglich etwas von ihrem Athem pfui mischte sich mit der Luft die ich athmete und überdies erinnerte ich mich einst ihr Gatte gewesen zu sein — diese Erinnerung war mir damals und ist mir noch jetzt unaussprechlich verhaßt überdies wußte ich daß ich während sie lebte nie der Gatte eines andern und besseren Weibes werden könne und obgleich fünf Jahre älter als ich ihre Familie und mein Vater hatten mich sogar über ihr Alter belogen konnte sie doch eben so lange