“Stets vergessen die Freunde die welche das Glück verläßt ” murmelte ich bei mir selber als ich den Riegel öffnete und hinausging Ich stolperte über einen Gegenstand mein Kopf war noch schwindlig meine Augen trübe und meine Glieder schwach Ich konnte mich nicht sogleich fassen ich fiel aber nicht auf den Boden ein ausgestreckter Arm hielt mich Ich blickte auf Rochester der dicht vor meiner Thür auf einem Stuhle saß unterstützte mich “Du kommst endlich heraus sagte er Ich habe lange auf Dich gewartet und gehorcht doch keine Bewegung kein Schluchzen habe ich gehört noch fünf Minuten dieser Todtenstille und ich hätte das Schloß erbrochen wie ein Dieb So Du vermeidest mich also Du schliefest Dich ein und hängst allein Deinem Kummer nach Ich wollte lieber Du wärest gekommen und hättest mich heftig ausgezankt Du bist leidenschaftlich ich erwartete eine Scene der Art Ich war auf den heißen Regen der Thränen vorbereitet nur hätte ich gewünscht daß sie an meiner Brust wären vergossen worden nun hat der gefühllose Fußboden sie aufgenommen oder Dein feuchtes Tuch Aber ich irre Du hast gar nicht geweint Ich sehe eine weiße Wange und ein mattes Auge aber keine Spur von Thränen Dein Herz hat also wohl kein Blut geweint Nun Johanna kein Wort des Vorwurfs Nichts Bitteres nichts Stechendes Nichts was das Gefühl verletzen oder die Leidenschaft aufstacheln könnte Du sitzest ruhig da wo ich Dich hingesetzt habe und siehst mich mit mattem und leidenden Blicke an Johanna es war nicht meine Absicht Dich so zu verwunden Wenn der Mann der nur ein einziges kleines Lamm hatte das ihm theuer war wie eine Tochter das von seinem Brode aß aus seinem Becher trank und in seinem Schooße lag es aus Versehen geschlachtet hätte würde er diesen blutigen Fehlgriff nicht schwerer bereut haben als ich den meinen bereue Wirst Du mir zu vergeben ” Leser ich vergab ihm in dem Augenblicke und auf der Stelle Es war so tiefe Reue in seinen Augen so wahres Mitleid in seinem Tone so männliche Energie in seinem Wesen und überdies lag so unveränderliche Liebe in seinem ganzen Ausdrucke und in seiner Miene daß ich ihm Alles vergab doch nicht in Worten nicht äußerlich nur im Innersten meines Herzens Du weißt daß ich ein Schurke bin Johanna ” fragte er nach einer Pause bedeutungsvoll wahrscheinlich verwundert über mein Schweigen und meine Zahmheit die mehr aus Schwäche als aus freiem Willen hervorging Ja Herr.” Dann sage es mir offen und heftig schone meiner nicht Ich kann es nicht ich bin matt und krank Ich bedarf etwas Wasser.” Er stieß einen schaudernden Seufzer aus faßte mich in seine Arme und trug mich die Treppe hinunter Anfangs wußte ich nicht in welches Zimmer er mich getragen es schwebte eine Wolke vor meinen gläsernen Augen sogleich aber empfand ich die belebende Wärme eines Feuers denn wenn es gleich Sommer war so war ich doch eisig kalt in meinem Zimmer geworden Er hielt mir Wein an die Lippen ich kostete ihn und erholte mich