jetzt Grimassen statt eines Händedrucks kniff er mir in den Arm anstatt eines Kusses auf die Wange drückte er mir das Ohr Es war Alles richtig für jetzt zog ich entschieden diese zornigen Gunstbezeugungen jeder zärtlicheren vor Ich bemerkte wie Mistreß Fairfax mein Betragen billigte denn ihre Aengstlichkeit hinsichtlich meiner verschwand und daran sah ich daß ich recht handelte Inzwischen versicherte Herr Rochester ich behandle ihn sehr schlecht und drohte mir mit schrecklicher Rache wegen meines gegenwärtigen Betragens in einer kurz bevorstehenden Zeit Ich lachte ins Fäustchen über seine Drohungen Ich kann Dich jetzt ganz hübsch im Zaume halten und zweifle nicht auch später dazu im Stande zu sein wenn ein Mittel seine Kraft verliert muß man ein anderes erdenken Doch bei alledem war meine Aufgabe nicht so leicht und oft hätte ich ihm lieber gefallen als ihn geärgert Mein künftiger Gatte sollte für mich meine ganze Welt werden und mehr als die Welt fast meine Hoffnung auf den Himmel Er stand zwischen mir und jedem religiösen Gedanken gleich einer Finsterniß zwischen dem Menschen und der hellen Sonne Ich konnte in jenen Tagen Gott vor seinem Geschöpfe aus dem ich mein Idol gemacht nicht sehen Zehntes Kapitel Der Monat des Brautstandes näherte sich seinem Ende seine letzten Stunden waren gezählt Der Hochzeitstag ließ sich nicht aufschieben und alle Vorbereitungen waren vollendet Ich wenigstens hatte Nichts weiter zu thun da standen meine Koffer gepackt verschlossen und zugebunden an der Wand meines kleinen Zimmers in einer Reihe aufgestellt morgen um diese Zeit sollten sie weit weg auf dem Wege nach London sein und so auch ich mit Gottes Willen oder vielmehr nicht ich sondern eine gewisse Johanna Rochester eine Person die ich noch nicht kannte Die Karten waren allein noch aufzunageln die vier kleinen viereckigen Stücken Pappe lagen auf der Kommode Herr Rochester hatte selber darauf geschrieben Mistreß Rochester Hotel London Ich konnte mich nicht entschließen sie anzuheften oder anheften zu lassen Mistreß Rochester die existirte noch nicht sie sollte erst morgen nach acht Uhr Vormittags geboren werden und ich wollte warten um mich zu überzeugen ob sie auch lebendig zur Welt kommen werde ehe ich ihr all ihr Recht einräumte Es war genug das in jenem Schranke meinem Toilettentisch gegenüber für sie bestimmte Kleider bereits mein schwarzes wollenes Kleid aus Lowood und meinen Strohhut verdrängt hatten denn mir gehörte nicht jenes Hochzeitsgewand die perlenfarbige Robe der nebelartige Schleier der an dem angemaßten Haken hing Ich schloß den Schrank um den seltsamen traumartigen Schmuck den er enthielt zu verbergen der zu dieser Abendstunde um neun Uhr gewiß einen sehr geisterhaften Schimmer durch den Schatten meines Gemaches verbreiten mußte Ich will Dich Dir selber überlassen weißer Traum sagte ich Ich bin fieberhaft ich höre den Wind wehen ich will zur Thür hinausgehen und ihn fühlen Es war nicht allein die Eile der Vorbereitung die mich fieberhaft machte nicht nur die Erwartung der großen Veränderung das neue Leben welches morgen beginnen sollte diese beiden Umstände hatten ohne Zweifel ihren Antheil an jener ruhelosen und