sie ich habe Dir zweimal Unrecht gethan was ich jetzt bereue Einmal als ich das meinem Manne gegebene Versprechen brach Dich wie mein eigenes Kind zu erziehen das andere Mal Sie hielt inne Am Ende ist es vielleicht von keiner großen Wichtigkeit murmelte sie bei sich selber und dann kann ich auch vielleicht wieder besser werden und es ist schmerzlich mich so vor ihr zu demüthigen Sie versuchte mit Anstrengung sich umzuwenden doch es gelang ihr nicht ihr Gesicht veränderte sich sie schien eine innere Empfindung zu haben vielleicht die Ahnung des letzten Todeskampfes Nun es muß überwunden werden Die Ewigkeit ist vor mir und es ist besser ich sage es dir Geh zu meinem Toilettentische öffne ihn und nimm einen Brief heraus den Du dort finden wirst Ich gehorchte ihrer Anweisung Lies den Brief sagte sie Er war kurz und in folgenden Ausdrücken abgefaßt Madame Sie werden die Güte haben mir die Adresse meiner Nichte Johanna Eyre zu senden und mir mitzutheilen wie es ihr geht da es meine Absicht ist bald an sie zu schreiben und sie aufzufordern zu mir nach Madeira zu kommen Die Vorsehung ist meinem Bemühen günstig gewesen so daß ich mir ein gutes Auskommen gesichert habe Da ich unverheirathet und kinderlos bin so wünsche ich sie bei Lebzeiten zu adoptiren und ihr nach meinem Tode Alles was ich besitze zu hinterlassen Ich bin Ihr ergebenster John Eyre Madeira Der Brief war vor drei Jahren geschrieben Warum hörte ich nie hievon “ fragte ich Weil ich einen zu großen Widerwillen gegen Dich hatte um nur das Geringste zu thun Dich in Wohlstand zu versehen Ich konnte Dein Betragen gegen mich nicht vergessen Johanna die Wuth womit Du Dich einst gegen mich wendetest den Ton worin Du erklärtest Du verabscheuest mich am meisten von allen Menschen auf der Welt den unkindlichen Blick und die Stimme womit Du mir versichertest daß schon der Gedanke an mich Dich krank mache und behauptetest ich habe Dich mit elender Grausamkeit behandelt Ich konnte meine eigenen Empfindungen nicht vergessen als Du Dich so gegen mich erhobst und das Gift Deines Geistes ausschüttetest ich empfand Furcht als hätte ein Thier welches ich geschlagen oder gestoßen mich mit menschlichen Augen angeblickt und mit menschlicher Stimme verflucht Bringe mir etwas Wasser O beeile Dich Liebe Mistreß Reed sagte ich als ich ihr den geforderten Trank reichte denken Sie nicht mehr an dies Alles verbannen Sie es aus Ihrem Geiste Verzeihen Sie mir meine leidenschaftliche Sprache ich war damals ein Kind und seit jenem Tage sind acht oder neun Jahre vergangen Sie beachtete nicht was ich sagte aber als sie das Wasser gekostet und Athem geschöpft fuhr sie folgendermaßen fort Ich sage Dir ich konnte es nicht vergessen und nahm Rache Daß Du von Deinem Oheim solltest adoptirt und in Wohlstand versetzt werden konnte ich nicht ertragen Ich schrieb an ihn ich bedaure daß er sich in seiner Hoffnung getäuscht aber Johanna Eyre sei fort sie sei zu Lowood am Typhusfieber gestorben Nun handle wie