ihn abfahren zu sehen.“ Sechstes Kapitel Es ist etwas Seltsames um Ahnungen Sympathieen und Vorbedeutungen und diese drei zusammen bilden ein Geheimniß wozu die Menschen noch nicht den Schlüssel gefunden haben Ich dachte nie in meinem Leben über Ahnungen weil ich selber sehr seltsame Ahnungen gehabt habe Ich glaube es existiren Sympathieen — zum Beispiel zwischen weit entfernten lange abwesenden und gänzlich entfremdeten Verwandten die ungeachtet der Entfremdung die Einheit der Quelle nachweisen woraus Jeder seinen Ursprung herleitet — deren Wirkungen über die menschlichen Begriffe gehen Und Vorbedeutungen mögen so viel ich weiß nur die Sympathieen der Natur zu dem Menschen sein Als ich noch ein kleines Mädchen von sechs Jahren war hörte ich in einer Nacht Bessie Leaven zu Martha Abbott sagen es habe ihr von einem kleinen Kinde geträumt und wenn es Jemand von kleinen Kindern träume so bedeute dies immer Unheil für ihn selber oder für eins seiner Verwandten Dieser Ausspruch wäre mir wahrscheinlich entfallen hätte sich nicht gleich darauf ein Umstand ereignet der dazu gedient ihn unauslöschlich meinem Gedächtnisse einzuprägen Am nächsten Tage wurde Bessie in ihre Heimath zu dem Sterbebette ihrer kleinen Schwester gerufen In der letzten Zeit hatte ich mich oft dieses Ausspruches und dieses Ereignisses erinnert denn während der letzten Woche war kaum eine Nacht vergangen die mir nicht im Traum ein kleines Kind vor Augen geführt welches ich zuweilen in meinen Armen zur Ruhe zu bringen suchte zuweilen auf meinem Knie schaukelte zuweilen mit Gänseblümchen auf der Wiese spielen oder mit den Händen in fließendem Wasser plätschern sah Bald war es ein weinendes Kind und dann ein lachendes bald schlüpfte es dicht an mich hin und lief dann wieder von mir weg aber welche Stimmung die Erscheinung auch zeigte und welches Ansehen sie hatte so verfehlte sie doch nie sieben Nächte nach einander sich mir zu zeigen sobald ich in das Land des Schlummers eintrat Diese Wiederholung derselben Idee — diese seltsame Wiederkehr desselben Bildes gefiel mir nicht und ich empfand einen nervösen Schrecken wenn die Stunde des Schlafengehens und der Erscheinung sich näherte Aus diesem Traume war ich erweckt worden als ich in jener mondhellen Nacht den schauerlichen Schrei gehört und an dem darauf folgenden Nachmittage wurde ich mit der Botschaft hinuntergerufen daß Jemand im Zimmer der Mistreß Fairfax sei und mich zu sprechen wünsche Als ich mich dorthin begab fand ich einen Mann meiner wartend der das Aussehen eines Dieners hatte er war in tiefe Trauer gekleidet und der Hut den er in der Hand hielt war mit Flor umwunden „Sie werden sich meiner wohl kaum erinnern Miß “ sagte er aufstehend als ich eintrat „mein Name ist Leaven ich war Kutscher bei Mistreß Reed als Sie sich noch vor acht oder neun Jahren in Gateshead aufhielten und ich bin noch dort.“ „O Robert wie geht 's Ihnen Ich erinnere mich Ihrer sehr wohl Sie ließen mich zuweilen auf Miß Georginens Pferdchen reiten Und wie geht es Bessie Sie sind ja mit Bessie verheirathet “ „Ja Miß meine Frau ist