dem Besitzer weder vertrieben noch gebändigt werden Welches Geheimniß das sich in tiefer Nacht bald in Feuer und bald in Blut zeigte — Welches Geschöpf war es das mit dem gewöhnlichen Gesicht und der Gestalt eines Weibes bald die spottende Stimme eines Dämons und bald den Schrei eines wilden Raubvogels ausstieß Und dieser Mann über den ich mich neigte — dieser gewöhnliche ruhige Fremde — wie war er in das Gewebe des Entsetzens verwickelt worden Und warum hatte sich die Furie auf ihn losgestürzt Warum suchte er zu dieser ungelegenen Zeit diesen Theil des Hauses auf da er in seinem Bette hätte liegen und schlafen sollen Ich hatte gehört wie Herr Rochester ihm unten ein Zimmer angewiesen — was führte ihn denn hierher Und warum war er denn jetzt so zahm bei der Gewaltthätigkeit und Verrätherei die man gegen ihn ausgeübt Warum unterwarf er sich so ruhig dem Schweigen welches Herr Rochester ihm auferlegte Herrn Rochester 's Gast war schwer verletzt worden sein eigenes Leben war bei einer frühern Gelegenheit in große Gefahr gerathen und beide Versuche wurden in Schweigen und Vergessenheit begraben Endlich sah ich daß Herr Mason sehr unterwürfig gegen Herrn Rochester war daß der ungestüme Wille des Letztern eine vollkommene Herrschaft über die Trägheit des Erstern ausübte davon überzeugten mich die wenigen Worte die er zu ihm geredet Es wurde deutlich daß die passive Stimmung bei ihrem frühern Umgange stets durch den kräftigen Willen des Andern beherrscht worden woher war denn Herrn Rochester 's Schreck gekommen als er von Herrn Mason 's Ankunft gehört Warum war denn der Name dieser fügsamen Person — die sein bloßes Wort wie ein Kind beherrschte — noch vor wenigen Stunden wie ein Donnerkeil eine Eiche trifft auf ihn gefallen O ich konnte seinen Blick und seine Blässe nicht vergessen als er flüsterte „Johanna ich habe einen Schlag erhalten — ich habe einen Schlag erhalten Johanna.“ Ich konnte nicht vergessen wie der Arm gezittert den er auf meine Schulter gestützt und es konnte keine unbedeutende Sache sein die den entschlossenen Geist und die kräftige Gestalt Fairfax Rochester 's so hart treffen und erbeben machen konnte „Wann wird er kommen wann wird er kommen “ rief ich in meinem Innern als die Nacht noch immer fortdauerte — als mein blutender Patient zusammensank stöhnte und ohnmächtig wurde und weder Tag noch Hülfe kam Ich hatte wiederholt das Wasser zu Mason 's bleichen Lippen erhoben ich hatte ihm wiederholt das belebende flüchtige Salz vorgehalten meine Bemühungen schienen unwirksam Entweder körperliches oder geistiges Leiden und Blutverlust oder alle drei vereint nahmen so schnell seine Kräfte hinweg Er stöhnte so tief er sah so schwach wild und erschöpft aus daß ich fürchtete er werde sterben und ich durfte nicht einmal mit ihm reden Endlich brannte das Licht zu Ende und ging völlig aus Jetzt bemerkte ich einige graue Lichtstreifen am Rande des Fenstervorhanges der Morgen war also da Gleich darauf hörte ich Pilot weit unten auf dem Hofe in seiner Hütte bellen Die Hoffnung lebte wieder auf