die Diener die Erlaubniß sich in der Vorhalle zu versammeln um einige von den Damen singen und spielen zu hören Herr Rochester forderte mich auf hereinzukommen und ich setzte mich in einen stillen Winkel und sah zu Nie habe ich eine glänzendere Scene gesehen die Damen waren prächtig angezogen die meisten von ihnen — wenigstens die meisten von den jüngeren — schienen mir sehr schön aber Miß Ingram war gewiß die Königin.“ „Und wie sah sie aus “ „Sie war groß hatte einen schönen Oberkörper und zierlich abfallende Schultern einen langen graziösen Hals eine dunkle und klare olivenfarbige Haut edle Züge und Augen denen des Herrn Rochester sehr ähnlich groß und schwarz und so glänzend wie ihre Juwelen Und dann hatte sie so schönes Haar rabenschwarz und zierlich geordnet hinten eine Krone von dichten Flechten und vorne die längsten und glänzendsten Locken die ich je gesehen Sie war ganz weiß gekleidet und trug nur eine ambrafarbige Schärpe über Schulter und Brust die an der Seite zusammengebunden war und deren mit Franzen versehene Enden bis über ihr Knie niederfielen Sie tug eine ambrafarbige Blume im Haar die sehr gut gegen die dunkle Masse ihrer Locken abstach.“ „Sie wurde natürlich sehr bewundert “ „Ei freilich und nicht allein ihrer Schönheit sondern auch ihrer Talente wegen Sie war eine von den Damen welche sangen ein Herr begleitete sie auf dem Piano und sie und Herr Rochester sangen ein Duett.“ „Herr Rochester ich wußte nicht daß er singen könne.“ „O er hat eine schöne Baßstimme und einen vortrefflichen Geschmack für Musik.“ „Und was hatte Miß Ingram für eine Stimme “ „Eine volle und kräftige sie sang zum Entzücken es war ein Genuß sie anzuhören — und dann spielte sie auch Ich habe kein Urtheil über Musik aber Herr Rochester und ich hörte ihn sagen daß ihr Vortrag außerordentlich gut gewesen.“ „Und diese schöne und talentvolle Dame ist noch nicht verheirathet “ „Es scheint nicht so ich glaube sie und ihre Schwester haben beide kein großes Vermögen Die Besitzungen des alten Lord Ingram waren größtentheils unveräußerlich und der älteste Sohn erhielt fast Alles.“ „Aber es wundert mich daß sich nicht irgend ein reicher Herr in sie verliebt hat Herr Rochester zum Beispiel Er ist reich nicht wahr “ „O ja Aber sehen Sie das Alter ist beträchtlich verschieden Herr Rochester ist beinahe vierzig und sie erst fünf und zwanzig.“ „Was thut denn das Es werden alle Tage noch viel ungleichere Verbindungen geschlossen.“ „Es ist wahr doch sollte ich kaum denken daß Herr Rochester einen solchen Gedanken hegt — Aber Sie essen ja gar nicht zu Ihrem Thee.“ „Nein ich bin zu durstig um zu essen Wollen Sie mir noch eine Tasse erlauben “ Ich war im Begriff zu der Wahrscheinlichkeit einer Verbindung zwischen Herrn Rochester und der schönen Blanca zurückzukehren aber Adele kam herein und die Unterhaltung nahm eine andere Richtung Als ich wieder allein war überdachte ich die erhaltene Nachricht blickte in mein Herz prüfte seine Gedanken und Gefühle und war bemüht die welche