etwas unfreundlichen Tag hatten Die Konversazion war ziemlich langweilig ja ich möchte sagen sogar schläfrig da weder die Herren noch die Damen Anstand nahmen einander im Gähnen den Rang streitig zu machen Endlich wurde die Gesellschaft ins Speisezimmer gerufen welches um eine Treppe höher als das Besuchszimmer lag Die Tafel stand fertig und servirt da bis auf die Gläser und Servietten Erstere zieren gemeiniglich den Schenktisch und letztere stehen bei dem Engländer auf heimatlichen Boden nicht im Gebrauche sondern jeder Tischgenosse nimmt das lange fast bis an den Boden reichende Tischtuch beim Niedersetzen aufs Knie und handhabt dasselbe beim Speisen sowie der Deutsche seine Serviette Mistreß Brom nahm ihren Platz am obern Ende des Tisches in einem Lehnstul ihr Gemal saß ihr gegenüber unten am Tisch und die Gäste nahmen zu beiden Seiten in der Ordnung Platz wie ihnen ihre Sitze von dem Herrn des Hauses angewiesen worden waren Ein englisches Mittagsessen hat wahrlich nichts Amüsantes da von einem interessanten Tischgespräche gar nicht die Rede sein kann indem die Gäste theils von der Hausfrau oder derjenigen Dame welche die Honneur macht theils von dem Hausherrn stets mit Fragen belästiget werden ob sie dieses oder jenes wünschen Sehr üblich ist es bei den Engländern sich gegenseitig zum Trinken aufzufordern wovon auch die Damen nicht ausgeschlossen sind denn es würde als ein großer Verstoß gegen die Üblichkeit und den Anstand betrachtet werden wenn eine Dame unaufgefordert das Glas ergriffe um ihren Durst zu stillen Ich war demnach nicht ungehalten als die Tafel nach neun Uhr aufgehoben worden war Die ganze Gesellschaft zog sich in ein anderes Zimmer zurück wo nach einer kurzen Konversazion der Thee genommen wurde Gegen zehn Uhr ließ Herr Rochester unsern Wagen vorfahren und ich war herzlich froh als ich den Fuß auf die erste Treppe gesetzt hatte um von all diesem lästigen Zeremoniell sowie von der äußerst langweiligen Gesellschaft befreit zu sein Die große Erbschaft Als wir am nächsten Morgen beim Frühstück saßen fragte mich Herr Rochester wie ich mit der gestrigen Unterhaltung zufrieden war Da die Unwahrheit zu reden nie meine Sache war so erklärte ich ganz offen und frei dass ich mich noch an keinem Abende so gelangweilt habe wie gestern »Das befremdet mich « entgegnete Herr Rochester »Ich war vielmehr der Meinung Sie hätten-sich mit Mistreß Brom sehr amüsirt da sie doch allgemein für eine sehr geistreiche Dame gehalten wird.« »Jch bedauere hierin widersprechen zu müssen« war meine Antwort entweder ist mein Verstand zu schwach um mit Schärfe und Bestimmtheit hierüber ein richtiges Urtheil zu fällen oder man hat in den geselligen Zirkeln zu London von dem Worte »geistreich« einen ganz andern Begriff Da gefällt mir Mistreß Brigth besser Sie ist nicht nur geistreich sondern auch sehr gemüthlich Ihre Reden beurkunden viel Verstand und sind frei von jeder Ziererei und den bereits zur Mode gewordenen Phrasen.« »Sie haben nicht ganz unrecht Jane « erwiderte hieraus Herr Rochester den mein Eifer in die heiterste Laune versetzt zu haben schien »Wenn mir zwischen Mistreß Brom und Mistreß