prachtvollen und genußreichen Theile dieser Stadt so ziemlich die Mitte halten Nebst den prachtvollen Verkaufsbuden wo die schönsten und elegantesten Gegenstände aus jedem wie immer gearteten Komfort aufgestellt sind fiel mir die besondere Höflichkeit auf welche die Herren gegen Damen auf den Spaziergängen beobachten Hier in London ist nämlich die Sitte gebräuchlich dem Entgegenkommenden immer zur Rechten auszuweichen wodurch das Gehen in den Straßen und Gassen merklich erleichtert wird ohne dem immerwährenden Drängen und Stoßen der Gegenströmung ausgesetzt zu sein Den Damen gebührt stets jene Seite welche den Häusern zugekehrt ist um sie dadurch vor jeder Belastigung zu schützen So oft man eine Straße durchkreuzt lässt der Herr den Arm seiner Dame los und tritt hinter ihr weg auf die andere Seite eine Aufmerksamkeit die von keinem Gentleman sprich Dschent’lmän unterlassen wird Von den hervorragenden Gebäuden bemerken wir hier die Westminster-Abtei oder die Kirche zu St Peter eines der größten noch vorhandenen Meisterwerke gothischer Bauart welche zur Begräbnisstätte der Könige und berühmter Männer dient ferner Westminsterhall wo die Könige gekrönt werden steht mit dem Parlamentsgebäude in Verbindung der St James-Palast sprich Dschäms-Palast oder die königliche Residenz ist ein altes Gebäude ohne wesentliches Ansehen und Geschmack Was mich außer den glänzenden Equipagen in Westminster das zur City im strengsten Kontraste steht noch interessirte waren die Möhren prachtvollen Livreen der Bedienten und Jokeyen nebst den geputzten Herren und Damen welche auf den Trottoirs in den elegantesten und geschmackvollsten Carossen dahinrollten Fast eben so anziehend waren für mich und die Kleine die vielen großen Obstläden in welchen die Früchte aller Jahreszeiten und Zonen von der königlichen Ananas bis zum kleinen sibirischen Staudenapfel in zierlichen Körben die noch obendrein mit Blumen geschmückt ausgestellt waren Nicht minderes Interesse gewähren für Einheimische und Fremde die unzähligen Kuchenläden in welchen es guter Ton ist am Morgen einzusprechen und einige kleine Törtchen heiß von der Pfanne weg zum Frühstück einzunehmen Ganz eigenthümlicher Art in London ist die Lebensweise der eleganten Welt und die innere Einrichtung der Wohnungen jener Klasse welche dem reichen Bürgerthume und der Hante-volee angehören London ist fast aus lauter kleinen schmalen Häusern zusammengesetzt was seinen Grund darin hat dass jeder Begüterte ein eigenes Haus zu erwerben trachtet weil mit diesem Besitze große Vorzüge im bürgerlichen Leben verbunden sind An eine Reihenfolge mehrerer Zimmer ist in bürgerlichen Häusern mit ganz geringen Ausnahmen gar nicht zu denken Jedes Stockwerk enthält gewöhnlich nur zwei Zimmer eines nach der Straße eines nach dem oft sehr engen Hofraume zu In den großen Palästen ist die Vertheilung der Zimmer natürlich eine andere doch bleiben sich die Bestimmungen derselben so ziemlich gleich Die Küchen und Bedientenwohnungen sind meistens in den Souterrains Kellergewölbe welche theils über die Erde hervorragen angebracht Die Thüren und Fenster der verschiedenen Gebäude sind auffallend hoch und enge die Spiegelwände dazwischen dagegen sehr breit Eine große Vorliebe besitzt man in London für Teppiche denn man findet bei Kaufleuten und wohlhabenden Handwerkern nicht nur die Fußböden sondern sogar die Treppen mit schönen Teppichen belegt Außer den hübschen und eleganten Möbeln