höchst interessanten Bilde einige Zeit ergötzen kann.« »Da lag nun jene Stadt vor meinen Blicken ausgebreitet « die ich schon längst zu sehen gewünscht aber hierzu nie Gelegenheit gehabt hatte Hoch in die Lüfte sahen wir St Paulus wunderbaren Dom sich erheben während unzählige Wipfeln von Masten und Flaggen uns von Englands königlichem Strome lächelnd zuwinkten Im Hintergrunde der großen Pauluskirche bemerkten wir den schönen gothischen Doppelthurm der Westminster-Abtei um die sich mehr als hundert andere Thürme der verschiedenen Kirchen gruppirt hatten Wir hatten zwar einen schönen heitern Morgen allein der aus so vielen Schornsteinen ewig aufsteigende Steinkohlendampf ließ uns die Gegenstände nur wie durch einen Flor erblicken Nachdem wir uns an dem herrlichen Bilde sattsam geweidet hatten bestiegen wir unseren Wagen um die Reise fortzusetzen Es erging mir wie jedem andern Fremden der da glaubt schon lange am Ziele seiner Fahrt zu sein und die Stadt doch nie erreichen kann Endlich lag die Themse in ihrer mächtigen Ausdehnung vor uns und schnell rollte der Wagen über die prachtvolle Black-Friars-Brücke hinüber und erst jetzt befanden wir uns in London in jener weltberühmten Stadt welche eine Ausdehnung von sechs Stunden in der Länge und vier Stunden in der Breite hat und von zwei Millionen siebenmalhunderttausend Menschen bewohnt wird Betäubt von dem Gewühle um uns her erreichten wir das unweit der Brücke gelegene York-Hotel wo wir unser erstes Absteigquartier nahmen Da in London die Unterkunft in den verschiedenen Hotels auf längere Zeit unendlich kostspielig ist so unternahmen wir wenige Tage nach unserer Ankunft eine Wanderung durch die Straßen der auf der östlichen Seite gelegenen City um hier von den verfügbaren Wohnungen Einsicht zu nehmen Dieser Theil der Stadt wo Handel und Wandel gleichsam ihr Wesen treiben gleicht einem förmlichen Ameisenhaufen denn es herrscht in allen Theilen der City ein Wühlen und Drängen wovon sich ein Fremder kein eigentliches Bild entwerfen kann Es war nicht Herrn Rochesters Absicht unseren Aufenthalt in der City zu nehmen wo die Straßen und Gassen meistens enge und die Häuser klein und mehrentheils beschränkt sind sondern es war ihm vielmehr darum zu thun mir ein eindringliches Bild von diesem Theile der Stadt zu Verschaffen Außer der großartigen Pauluskirche welche mit einem Kostenaufwande von nahe an zwei Millionen Pfund Sterlingen aufgeführt wurde und deren kunstvollster Theil die 350 Fuß hohe in einem Durchmesser von 150 Fuß konstruirte Kuppel ist fiel mir noch der Palast des Lord Mayors sprich Lord Mär Bürgermeister das Börse und Bankgebäude sowie die Häuser der ostindischen und anderer Handelsgesellschaften auf Einen besonderen Eindruck auf mich machte der Tower sprich Tauer ein altes mit einem breiten und ziemlich tiefen Wassergruben umgebenes Fort das nicht nur zur Anfbewahrung wichtiger Archive und der Reichskleinodien dient sondern auch als Staatsgefängnis unter der Regierungsperiode Heinrichs VIII und der großen Elisabet eine geschichtliche Merkwürdigkeit erlangt hatte Wir begaben uns also am folgenden Tage nach Westminster dem westlichen Theile der Stadt wo man größtentheils schöne breite mit einem vortrefflichen Trottoir versehene Straßen trifft die zwischen der arbeitsamen und gewerbereichen City und dem