auf meinen Onkel in New-York der für mich so freundliche und wohlwollende Gesinnungen an den Tag gelegt hatte zu sprechen kam schien meine Erzählung für Herrn Rochester von besonderem Interesse zu sein Er erkundigte sich genau nach dessen Namen und Beschäftigung worauf ich erklärte dass ich erst durch Mistreß Reed’s Mittheilung in Kenntnis gesetzt wurde einen Onkel zu haben der meiner Mutter Bruder ist und John Eyre heiße »John Eyre ist Ihr Onkel « sagte hierauf Herr Rochester mit Verwunderung »Den Mann habe ich ja persönlich gekannt und stand mit ihm sogar theilweise in Geschäftsverbindung Fassen Sie sich Jane denn ich habe Ihnen zum Theile eine unangenehme aber auch zugleich eine angenehme Mittheilung zu machen falls sich durch die näheren Erkundigungen die ich hierüber in London einzuziehen gesonnen bin herausstellen sollte dass dieser John Eyre wirklich Ihr Onkel ist Er ist seit Jahr und Tag todt und hat seiner Nichte ein Vermögen von einigen hunderttausend Dollar im Baren nebst sämmtlichen unbeweglichen Gütern in New-York zurückgelassen Sein Rechtsanwalt und Testaments-Vollstrecker ist Herr Brigth in London welcher bereits eine Aufforderung in mehreren Zeitungen an die Nichte ergehen ließ.« Bei dieser Mittheilung wurde mir förmlich unheimlich denn ich konnte den Gedanken gar nicht fassen dass aus der armen hilflosen Waise urplötzlich ein reiches englisches Fräulein werden sollte Anfangs konnte ich gar keine Worte finden um gegen Herrn Rochester meinen Dank auszusprechen dass er so gefällig sein wolle sich für meine Angelegenheit zu interessieren Dann sprach ich gegen denselben die Befürchtung aus dass man mir vielleicht das beträchtliche Erbe streitig machen könne da ich gar nicht in der Lage sei meine Ansprüche hieraus geltend zu machen »Es wäre mir lieb wenn Sie sich mit diesen und ähnlichen Gedanken gar nicht befassen würden « sagte hieran Herr Rochester »denn ich kann dieselben nur als die bösen und unheimlichen Dämonen betrachten welche Sie bis zur gänzlichen Austragung Ihrer Verhältnisse fortwährend ängstigen würden Ich werde Ihre Angelegenheiten in die Hand nehmen und dieselben so schnell wie möglich zu Ende führen.« Während ich Herrn Rochester für seine freundliche Zusage danken wollte fiel er mir mit einer Hast ins Wort die mich förmlich erschreckt hatte »Sehen Sie sehen Sie Jane « rief Herr Rochester indem er mit der Hand gegen Westen hinwies und sodann schnell das Wagenfenster öffnete »Da ist London « sagte er sodann mit derselben Hast indem er die Kleine an sich zog und gegen das Fenster vorschob Wir hatten nämlich die Anhöhe von Shooters-Hill erreicht welche ungefähr zwanzig englische Meilen von London entfernt ist und den ersten Anblick der Metropole des stolzen Albion gewährt Es war für mich nicht nur eine große Überraschung so ganz wider Vermuthen die an den Ufern der Themse sich hinziehende Weltstadt vor meinen Blicken ausgebreitet zu sehen sondern der Eindruck den dieses Panorama auf mich machte war so mächtig und eindringlich dass ich gar keine Worte finden konnte um meine Freud hierüber an den Tag zu legen »Wir wollen aussteigen « sagte hierauf Herr Rochester »damit sich Ihr Blick an diesem