Menschen oft schon großes Unglück verhütet worden sei Doch Herr Rochester war hierzu nicht zu bewegen und erklärte dass es besser sei derlei Gäste ganz zu vertreiben als sich Diebe und Bettler zu zügeln Ich war wol mit dem Raisonnement meines Gebieters nicht einverstanden doch wäre es für mich in keiner Weise schicklich gewesen zu widersprechen oder mich gar in eine opposizionelle Verhandlung einzulassen weshalb ich den ganzen Bescheid mit Stillschweigen überging und die Bemerkung machte dass die Luft schon ziemlich kühl und feucht werde weshalb ich es für gerathener halte mit Adele auf das Zimmer zu gehen Herr Rochester begleitete uns bis zum Schlosse und ging sodann mit Pilot wieder in den Park zurück Adele hatte schon am Morgen über Kopfschmerzen geklagt Ich dachte dass sich das Übel durch eine mäßige Bewegung in der freien Luft heben werde ward aber vom Gegentheile überzeugt und brachte daher das Kind bald zu Bette In solchen Augenblicken durfte ich die Kleine nicht verlassen weil sodann gemeiniglich ein gewisser Eigenwille und eine Launenhaftigkeit sich bemerkbar machte welcher mit Entschiedenheit entgegengetreten werden mußte wenn solche Fehler nicht zu einer Größe sich ausbilden sollten wo sie dann in den meisten Fällen unheilbar sind Ich setzte also Herrn Rochester in Kenntnis weshalb ich heute nicht beim Thee erscheinen könne und blieb auf meinem Zimmer Der Himmel war trüber und schien eine finsterere Nacht in Aussicht zu stellen da weder der Abendstern noch irgend ein anderes Gestirn am Horizonte sichtbar werden wollte Auch schien man auf dem Schlosse heute keine besondere Lust zu haben bis gegen Mitternacht zu wachen wie dies gemeiniglich der Fall war denn wenige Minuten nach zehn Uhr war es fast in allen Gemächern des Schlosses finster geworden Ich hatte bis gegen eilf Uhr gelesen um welche Stunde meine Augen von einem unbezwinglichen Schlaf geschlossen wurden obschon die Lektüre die ich gewählt hatte höchst interessant war Gegen zwei Uhr Morgens wurde ich durch mehrere aufeinanderfolgende Schläge die mit aller Kraft gegen die Thür meines Zimmers geführt worden waren geweckt Ich sprang mit beiden Füßen aus dem Bette und eilte gegen die Thür als ich Herrn Rochesters Stimme vernahm der mir aus voller Brust die Worte zugerufen hatte »Retten Sie sich und die Kleine das ganze Schloss steht in hellen Flammen « Wer beschreibt meine Angst als ich die Balken des Fensters öffnete und die finstere Nacht durch die hohauflodernde Flamme ans eine wahrlich schauerliche Weise erhellet sah Ich weckte Louise und sodann die Kleine versah uns mit den nothwendigsten Kleidungsstücken und wollte die Thür öffnen um über die Gallerie des ersten Stockwerkes ins Freie zu gelangen konnte aber in der Angst und Verwirrung den Schlüssel nicht finden wodurch unsere Noth aufs Höchste gesteigert wurde da ich mir durch eine Rekognoszirung die Gewissheit verschafft hatte dass sich die hochgehenden und vom Winde gepeitschten Flammen bereits des zweiten Stockwerkes bemächtiget hatten Ich rannte wie besessen im Zimmer hin und her allein nirgends konnten meine Augen den Schlüssel entdecken Da traf mein Blick das Buch und unter