trat eine völlige Erschöpfung ein Mir war als ob der Todesengel die Schwelle des Gemaches bereits überschritten hätte Mit einem Sprung war ich am Glockenzuge doch kein menschliches Wesen kam mir zu Hilfe Mistreß Reed verschied in meinen Armen nachdem ich mit ihr einige Minuten gebetet hatte »Sie hat ausgerungen « sagte ich zu mir »Sie ist aus der Welt gegangen und keines ihrer Kinder war an ihrem Sterbelager erschienen So reich und angesehen sie im Leben war so arm und verlassen war sie im Tode.« »Ich kniete jetzt am Bette der Verstorbenen nieder um für das Heil ihrer Seele zu beten Dann verließ ich das Zimmer um Eliza und Georgiana sowie Bessie hiervon in Kenntnis zu setzen Bessie war über den Tod ihrer Gebieterin sehr bestürzt minder angegriffen waren Eliza und Georgiana da beide der Meinung waren dass der Tod der Mutter ja schon seit Wochen vorauszusehen gewesen wäre Die irdischen Überreste der Verblichenen wurden nach drei Tagen in der Gruft zu Gateshead neben dem Sarge des Onkels beigesetzt Georgiana begab sich zu ihrem Onkel Gibson nach London Eliza kam auf ihren ausdrücklichen Wunsch in ein Nonnenkloster zu Tille in Frankreich wo sie nach dem überstandenen Probejahre den Schleier nahm und ich kehrte zehn Tage nach der Begräbnisfeier der Tante wieder nach Thornfield zurück Viertes Kapitel Der Brand auf dem Schlosse zu Thornfield Bei meiner Rückkehr nach Thornfield waren die veranstalteten Festlichkeiten bereits geschlossen und eine Ruhe auf dem Schlosse eingekehrt gleich jener wie ich sie bei meinem Eintritt als Gouvernante daselbst gefunden hatte Mistreß Fairfax empfing mich zwar auf eine ganz freundliche Weise doch lag in ihrem Empfange wie in ihrem Gruße eine gewisse Bitterkeit die meinem Scharfblicke nicht entgangen ist War die gute Frau wirklich gegen mich eingenommen so konnte dies nur seinen Grund darin haben dass ihr Herr Rochester einigermassen sein Vertrauen entzogen und mir vor der Abreise nach Gateshead einige Aufträge ertheilte die in das Bereich einer Haushälterin einen großen und selbst unbefugten Eingriff machen falls die Weisung hierzu nicht unmittelbar von dem Herrn Rochester selbst kommen sollte Mistreß Fairfax Freundschaft zu verlieren wäre mir unter allen Umständen unlieb gewesen denn ich war derselben nicht nur persönlich gewogen sondern sie war auch das einzige Wesen mit dem ich in meinen freien Stunden verkehren und mich unterhalten konnte da Herr Rochester ja die meiste Zeit des Jahres von Thornfield abwesend war Dass ein gewisser Verdacht von Mistreß Fairfax Seite auf mir ruhe dessen war ich gewiss deshalb nahm ich mir vor einerseits auf meiner Hut zu sein anderseits aber kein Mittel unversucht zu lassen mich in ihren Augen von demselben zu reinigen und der argwöhnischen Frau eine bessere Meinung von mir beizubringen als sie vielleicht im gegenwärtigen Augenblicke haben mochte Von diesem Gedanken den ganzen Weg über die Treppe nach dem zweiten Stockwerke belästiget erreichte ich endlich mein Zimmer wo mir Louise unser Mädchen freundlich entgegenkam und mir nebst herzlichen Grüßen zum Beweise ihrer besonderen Freude und Anhänglichkeit sogar die Hände küssen wollte die ich ihr