das frühere Empfangszimmer und hatte seit meiner Abwesenheit nur ganz geringe Veränderungen erlitten Selbst der grüngepolsterte Fußschemmel war noch vorhanden auf dem ich oft stundenlang knien mußte um Vergehungen abzubüßen die ich nie begangen hatte sondern die mir von Mistreß Reed’s Kindern nur angedichtet und aufgebürdet worden waren Ein tiefer Seufzer entwand sich meiner Brust wahrscheinlich durch die schmerzliche Erinnerung an jene freudenlose Zeit erzeugt und hervorgerufen Indessen hatte Bessie die Vorhänge etwas zurückgeschlagen durch welche das hohe Bett der Kranken zum Theil verschlossen war und winkte mir sodann näher zu treten Ich fand Mistreß Reed sehr verändert doch waren die Züge des Hasses und der Bitterkeit von ihrem Gesichte noch nicht gewichen wiewol dasselbe fast ganz abgezehrt war und die starken Knochen um desto deutlicher hervortraten Sie hatte die Augen geschlossen und schien zu schlummern allein Bessie hatte mir erklärt dass sie in diesem Zustande schon zwei Monate hinsieche aber bisweilen recht lichte Momente habe Unser Gespräch wiewol ganz leise mußte ihre Aufmerksamkeit erregt haben denn sie schlug die Augen auf und sah mich mit stieren Blicken an die mir förmlich den Angstschweiß auf die Stirne trieben Das Auge schien mir zwar schon halb erstorben aber dennoch war der Blick der Kranken ganz so streng und hart wie in den Tagen meiner Kindheit Ich ergriff ihre Hand um dieselbe zu küssen allein sie zog sie schnell von der Decke zurück und sagte ganz leise »Ist dies nicht Miß Jane « »Ja Tante « antwortete ich »Wie geht es Ihnen « Ich sah mich nach Bessie um die sich vom Bette der Kranken zurückgezogen hatte mein spähender Blick konnte sie aber im ganzen Zimmer nicht auffinden Sie hatte dasselbe bereits verlassen damit Mistreß Reed ihr Herz ohne einen unliebsamen Zeugen vor mir ausschütten könne Die Kranke sah mich noch immer unverwandten Blickes an ohne ein Wort zu sprechen Bisweilen zuckte ihre Unterlippe und dann verzog sie den Mund für einen Augenblick so sehr dass ihr Gesicht wahrlich einen ganz lächerlichen Ausdruck annahm Mir waren diese Bewegungen nicht fremd daher konnten sie mich auch jetzt nicht überraschen Ich schob ganz vorsichtig einen Lehnstul gegen das Bett vor ließ mich auf demselben nieder und sprach »Sind Sie jetzt beruhiget dass ich bei Ihnen bin liebe Tante « Das Wort »Tante« muß die Kranke etwas überrascht haben denn sie lächelte Mir schien als ob sie sich ein wenig aufrichten wollte und ich unterstützte sie bei dieser Bewegung nach Kräften Nachdem ich ihr die Kopfkissen gerichtet und derselben jedmögliche Erleichterung zu verschaffen gesucht hatte wendete sich Mistreß Reed von mir ab und sprach »Mir ist jetzt leichter nachdem ich Dich in meiner Nähe weiß liebe Jane Es thut meinem Herzen wohl wenigstens ein Kind meines Hauses an meinem Sterbelager zu sehen da meine eigenen Kinder mich in den letzten Stunden des Lebens verlassen.« »Beruhigen Sie sich liebe Tante ich werde Eliza und Georgiana rufen damit beide an Ihr Bett kommen falls Sie dieselben zu sehen wünschen.« Sie machte hierauf mit der knöcherigen Hand eine