Kindheit wo ich ihrer Pflege und Sorge anvertraut worden war Die alten Zeiten drängten sich plötzlich wieder in aller Frische meinem Gedächtnisse auf als ich sie geschäftig herumgehen und alle zum Frühstücke nothwendigen Vorbereitungen mit großer Emsigkeit treffen sah Ich unterhielt mich einstweilen mit ihren größeren Kindern Robert uud Hannchen bis der Thee fertig und das Frühstück eingenommen war mußte aber nebenher auch Auskunft über meine gegenwärtige Stellung in Thornfield und meine ferneren Absichten geben Bei einer solchen Unterhaltung war eine Stunde bald verstrichen Bessie setzte mir wieder meinen Hut auf und reichte mir meinen Überwurf den sie sorgfältig auf einem Kleiderrechen aufgehängt hatte und so schritt ich in ihrer Begleitung aus dem Parkhäuschen nach dem Herrenhause wohin ihr Mann mitterweilen meinen Koffer hatte bringen lassen Schweigend und mit mir selbst beschäftiget ging ich neben Bessie einher die ebenfalls tiefes Schweigen beobachtet hatte Ruhig war mein Herz nicht geblieben als wir durch das hohe finstere Portal schritten denn durch den Anblick des Schlosses wurde mir die unter diesem Dache verlebte trübe Jugendzeit neuerdings ins Gedächtnis gerufen Alle schauerlichen Szenen traten in voller Frische vor meine Sinne und riefen eine merkliche Aufwallung in meinem Innern hervor Trüb war meine Jugendzeit und eben so trüb meine Aussicht in die Zukunft doch muß ich gestehen dass ich selbst bei meinem zweifelhaften Schicksale mich unter keiner Bedingung entschließen konnte in dieses Haus wieder einzukehren und daselbst eine bleibende Wohnstätte zu suchen falls dies Mistreß Reed’s Absicht sein sollte »Ich glaube es wird besser sein wenn Sie sich vorerst nach dem Frühstückzimmer begeben und dort so lange verweilen bis ich Mistreß Reed auf Ihre Ankunft vorbereitet habe « sagte Bessie als wir das Ende der großen Treppe erreicht hatten die nach dem ersten Stockwerke führte »Sie werden dort die jungen Damen finden die sich auf Ihre Ankunft freuen.« Dieser Bescheid machte mich etwas stutzig Ich hielt meine Schritte an während Bessie über die Gallerie nach dem Zimmer eilte wo sich die Kranke befand Einen Augenblick war ich unentschlossen was zu thun sei dann schritt ich rasch auf das Zimmer zu fasste den Drücker und einige Augenblicke später stand ich in dem mir so sehr bekannten Zimmer wo ich fast Alles noch in solch unveränderter Weise fand wie zu jener Zeit wo mir der Zutritt in dasselbe gestattet war Zwei Damen saßen hier wovon die eine mit einer Stickerei beschäftiget die andere in einem Buche vertieft war dass sie meinen Eintritt gar nicht zu bemerken schien Die im vorderen Raume des Zimmers sitzende erhob sich von ihrer Arbeit und grüßte mich freundlich ohne von ihr erkannt zu werden Sie war zwar sehr groß doch von blassem Gesichte und hagerer Gestalt Ihre Züge waren nichtsdestoweniger als einnehmend und ihr ganzes Wesen verrieth weniger den angebornen Stolz und Hochmut diese unzertrennlichen Gefährten unserer Geldaristokrazie als ein zerrüttetes in sich und mit der Welt zerfallenes Gemüt Die große Veränderung und die Zeit meiner Abwesenheit von Gateshead ließen mich für einige Augenblicke in Zweifel ob die vor mir stehende Dame