hierauf Herr Rochester »dann habe ich keine fernere Cinwendung zu machen Führen Sie den Mann zu mir damit ich mit demselben Rücksprache nehmen kann und dann reisen Sie mit Gott und unter seinem allmächtigen Schutz und ich hoffe Sie binnen einigen Wochen wieder gesund und wohlerhalten in Thornfield zu sehen.« »Soll ich von Adelen Abschied nehmen und sie von meiner Reise in Kenntnis setzen Sire « Ich glaube es wird besser sein wenn Sie der Kleinen diese bevorstehende Reise verheimlichen denn Adele wird darüber untröstlich sein und Tage lang weinen.« Ich befolgte den Rath meines Gebieters und ging auf mein Zimmer um meine Sachen zu ordnen und meinen Koffer zu packen Nachdem ich mit meiner Arbeit bereits zu Ende war trat Herr Rochester ein und überreichte mir eine neue allerliebste Damenbörse mit dem Bemerken dass ich darin das nöthige Reisegeld finden werde Er entfernte sich so schnell dass ich nicht einmal Zeit hatte meinen Dank für seine Güte auszusprechen Mistreß Reed’s Tod Ich bekam Herrn Rochester am Tage meiner Abreise von Thornfield nicht mehr zu Gesichte Meine Reise nach Gateshead war ohne alles Interesse und die langweilige Fahrt ließ mir Zeit genug über das Schicksal meiner einzigen noch lebenden Verwandten nachzudenken Dass ich einen reichen Onkel in der Hauptstadt der vereinigten Staaten von Nordamerika besitze der kinderlos war und mich adoptiren wollte davon hatte ich keine Ahnung Am Morgen des dritten Tages meiner Reise hielt der Wagen an demselben Parkthore wo ich vor ungefähr zehn Jahren unter Thränen und Schluchzen von Bessie Abschied genommen hatte Ich bat John mich vorerst zu seiner Frau zu führen und war in meinem Herzen wahrlich recht froh Bessie umarmen zu können Sie war eben beschäftiget ihre Kinder anzukleiden als ich in das Zimmer trat »Gott segne Sie liebe Jane « rief sie mir entgegen schloss mich in ihre Arme und drückte einen Kuss auf meine Lippen »Ich wusste es bestimmt dass Sie kommen und einer mit dem Tode ringenden Verwandten nicht den letzten Trost versagen werden « sagte hierauf Bessie »Ja Bessie Sie haben recht und wie ich hoffe komme ich nicht zu spät.« »Ja Mistreß Reed ist noch am Leben Jane mitunter theilweise auch mehr bei Sinnen als vor einigen Tagen Sie spricht beständig von Ihnen und hat keinen anderen Wunsch als Sie noch einmal zu sehen und zu sprechen bevor sie aus dieser Welt scheiden muß.« »Und ist Mistreß Reed wirklich so schwer krank dass sie den Tod immer vor Augen hat « fiel ich Bessie in die Rede »Die Ärzte haben sie gänzlich aufgegeben und erklärt dass der Tod eine unwiderrufliche Folge ihrer unheilbaren und schmerzvollen Krankheit sei der binnen wenigen Tagen aber auch erst nach wochenlangen qualvollen Leiden eintreten könne.« Ich ersuchte Bessie mich nach dem Schlosse zu begleiten Sie sagte mir dies zu doch möge ich vorerst bei ihr eine Schale Thee nehmen wozu ich mich bereit erklärte Sie schickte sich nun an mir meine Reisekleider abzunehmen und ich ließ dies so geduldig geschehen wie in den Tagen meiner