auf einige Wochen einen Urlaub zu ertheilen John hatte mir zugleich die Mittheilung gemacht dass die Reise keinen Aufschub erleide falls ich Mistreß Reed noch vor ihrem Ende sehen wolle Dass diese Angelegenheit keinen Aufschub erleide war mir wol einleuchtend doch mußte ich fürchten dass meine Bitte Herrn Rochester im gegenwärtigen Augenblicke etwas ungelegen kommen werde Doch hatte ich mir vorgenommen meine ganze Beredsamkeit aufzubieten um meinen Gebieter von der Dringlichkeit dieser Reise zu überzeugen Ich führte John in ein Zimmer rief einen Diener herbei damit er dem Manne einige Erfrischungen reiche und begab mich sodann nach dem oberen Stocke um Herrn Rochester aufzusuchen Die Angst beflügelte meine Schritte Ich lief über die Gallerie und wollte eben nach der mittleren Treppe einbiegen um vorerst nach Adelen zu sehen als Herr Rochester aus seinem Zimmer trat Er mußte mich nicht gleich bemerkt haben denn seine ganze Aufmerksamkeit schien die glühende Zigarre auf sich gezogen zu haben die irgend einen Fehler haben mußte dessen Entdeckung den leidenschaftlichen Raucher vollauf beschäftigte Endlich hatte er mich bemerkt und ging auf mich zu indem er mir einen freundlichen Morgengruß brachte und sich nach meinem Befinden erkundigte Ich dankte herzlich für diese freundliche Erinnerung und brachte da ich keine Zeit verlieren und diese günstige Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen lassen wollte meine Bitte vor »Sir « sprach ich mit beklommener Stimme »ich möchte bei Ihnen um die Erlaubnis nachsuchen mir auf zwei bis drei Wochen einen Urlaub zu bewilligen um meine Tante die auf den Tod krank ist und nach mir verlangt zu besuchen.« »Wie Sie haben Verwandte davon haben Sie zu keiner Zeit noch Erwähnung gethan Wer sind Ihre Verwandten und wo wohnen dieselben « »Ich habe außer Mistreß Reed zu Gateshead die meine Tante ist keine Verwandten « sagte ich hierauf »und eben diese Tante wünscht mich vor ihrem Tode noch zu sehen.« »Da müssen Sie auch ihren Wünschen nachkommen « erwiderte hierauf Herr Rochester »Doch sagen Sie mir Miß Jane warum Sie nicht in dem Hause Ihrer Tante geblieben sind da sie doch einst so reich war « »Sie ist es noch Sir « erwiderte ich hierauf etwas hastig »Und eben ihr großer Reichthum mag die Ursache sein weshalb sie die armen Verwandten ihres Mannes verachtete und beständig ein Bettelvolk nannte welche Reden meinen Onkel der meines Vaters leiblicher Bruder gewesen ist oft tief verwundet hatten Als ich Vater und Mutter verloren hatte zählte ich kaum sechs Jahre Onkel Reed nahm mich in sein Haus auf um mich mit seinen Kindern erziehen zu lassen mußte aber nach dessen Tod die bittersten Kränkungen und selbst die gemeinsten Mishandlungen ertragen deren Urheber vornehmlich der wilde John damals ein Junge von ungefähr eilf Jahren war Bald darauf gab mich Mistreß Reed ins Waisenhaus nach Lowood wo ich erzogen wurde und als Lehrerin so lange verweilte bis ich in Ihr Haus kam.« »Jetzt kann ich mich an diese Familie deutlicher erinnern « sagte Herr Rochefter »Mistreß Reed hat auch zwei Töchter wovon die Eine vor zwei Jahren durch