mir »Das Kleid ist schön es ist prachtvoll und macht dir eine unendliche Freude doch soll deine Freude stets eine kindliche bleiben wie bisher und nie sollen Eitelkeit Hoffart und Stolz sich in dein Herz schleichen und daselbst ihren Wohnsitz aufschlagen davor bewahre mich Gott jetzt und für alle Zeiten.« In demselben Augenblicke trat Herr Rochester ein Er hatte mit seiner Mündel einen kleinen Spaziergang nach dem nahen Gehölze unternommen und dieselbe bei seiner Rückkehr wieder unter meine Obhut gestellt Beschämt von demselben in diesem Kleide angetroffen zu werden schlug ich die Augen zu Boden und getraute mich kaum aufzublicken Herr Rochester dem meine Verlegenheit nicht entgangen war nahm hierauf das Wort und sprach »Ich war so frei Ihnen dieses Kleid zu bestellen Miß Reed und hoffe Sie hierdurch nicht etwa beleidiget zu haben Es soll vor der Hand nur als ein kleiner Beweis gelten wie sehr ich Ihre Mühe und Sorgfalt die Sie auf die Kleine verwenden zu würdigen weiß mein Dank wird erst bei einer andern schicklicheren Gelegenheit folgen Übrigens mache ich die Bemerkung dass dieses Kleid welches für Sie zu dem morgigen Feste bestimmt ist meinem Hause nur Ehre machen wird denn es gefällt mir jetzt als Kleid weit besser als dies anfangs bei dem Stoffe der Fall war.« Herr Rochester küsste hierauf Adele und empfahl sich von uns auf ein freundliches Wiedersehen nahm aber zugleich den Schneider mit um den Mann für seine Arbeit und Pünktlichkeit auf eine würdige und gerechte Weise zu belohnen Die aufgehende Sonne verkündigte uns den schönsten und herrlichsten Tag nur etwas heiß schien es zu werden weßhalb erst der Abend eine Erholung in Aussicht stellte Wiewol die meisten Arbeiten schon den Abend zuvor verrichtet worden waren so gab es vom Morgen bis zum Nachmittag doch noch vollauf zu thun denn es waren auf den Treppen noch die Teppiche zu legen die chinesischen Vasen mit zierlichen und sorgfältig gewählten Blumen zu versehen und in den Zimmern und Salons manche Menschenhände erforderlich um durch Kunst und Fleiß jeden Eintretenden zu überraschen Im Speisesalon blitzte der Nebentisch von Silbergeschirren jeder Art und auf dem ganzen Wege bis zu demselben sah man die seltensten Blumen terrassenartig aufgestellt da Herr Rochester für diesen Tag einen eigenen Salon im Parke herrichten ließ Gegen drei Uhr erschien Mistreß Fairfax im vollsten Putz denn es war ihr Geschäft die Gesellschaft zu empfangen und die Damen in die Salons einzuführen Wir hatten nun keine Zeit mehr zu verlieren deshalb ermunterte ich Louise Alles bereit zu halten um Adelen ankleiden zu können da ich eben beschäftiget war deren blonden Lockenkopf in Ordnung zu bringen Die Geladenen ließen auf sich warten und verursachten Mistreß Fairfax durch ihr Ausbleiben einigen Kummer wiewol die gute Frau um eine Stunde später angetragen hatte als es der Wunsch ihres Gebieters war In ihrer Ungeduld schickte sie den alten John an die Schlosspforte hinab damit er sich ein wenig umsehe und sodann eilig Bericht erstatte falls er die Kutschen auf der Straße nach Millcote bemerken sollte Der