Schiffsmannschaft außer dem Kapitän dem Steuermann und dem Koch keine Seele gerettet Alle fanden in den Wellen des Meeres ihr Grab Zum Gedächtnisse sowie zum Dank für seine Rettung aus der Todesgefahr hat Herr Rochester die Kreuzkapelle zu Hay gestiftet und der Kirche daselbst einen bedeutenden Geldbetrag zur Erhaltung derselben übergeben.« Mistreß Fairfax hatte mit ihrer Rede inne gehalten und dennoch fand ich keine Worte ihr etwas Entscheidendes zu sagen Da wurde ich durch sie aus einer Verlegenheit befreit die vielleicht weniger für mich als für Andere bemerkbar war »Doch zur Sache Miß « nahm jetzt Mistreß Fairfax das Wort »Der Schneider aus Millcote ist hier Er hat für Miß Varnes zwei neue Kleider gebracht und für Sie « »Und für mich « fuhr ich der geschwätzigen Haushalterin in die Rede »Ich habe kein Kleid bestellt auch ist mir kein Schneider aus Millcote bekannt Doch lassen Sie den Mann heraufkommen damit ich mit demselben selbst reden kann.« Bei diesen Worten rief ich Louise unser Mädchen damit sie Mistreß Fairfax begleite und dem Schneider als Wegweiser nach unserem Zimmer diene Ich war nicht wenig erstaunt als Louise mit zwei Männern zurückkehrte wovon jeder einen Pack trug Es war der Meister mit seinem Gehilfen welche den Auftrag hatten jede gewünschte Veränderung sogleich auf dem Schlosse vorzunehmen Meine Ungeduld wuchs fast mit jeder Sekunde bis der Schneider das Kleid ausgepackt hatte denn ich war neugierig wie dasselbe aussehe und ob es wirklich für mich bestimmt sei Es war ein Seidenkleid von schwerem Stoffe dessen Wert ich gar nicht zu schätzen wusste da ich mit Kleidern dieser Art in meinem ganzen Leben nichts zu schaffen gehabt hatte Der Grund war kornblumenblau und mit Rosen in einem äußerst geschmackvollen Dessin eingearbeitet »Wer hat das Kleid bei Ihnen bestellt « fragte ich voll Verwunderung »Herr Rochester « entgegnete der Mann »und noch dazu mit der Bemerkung dass ich den ganzen Schaden tragen müsse falls Ihnen dasselbe nicht passen sollte Darum würde ich bitten mich aus dieser mislichen Ungewissheit zu befreien.« Ich wusste gar nicht wie mir geschah und rief ganz maschinenmäßig Louise aus dem Nebenzimmer herbei damit mir das Mädchen beim Ankleiden behilflich sei Ich zog also das Kleid an trat vor den Spiegel hin um die Schönheit meines neuen Anzuges zu bewundern und war von der Pracht und Eleganz desselben nicht wenig überrascht Mein einfacher aber geschmackvoller Anzug hatte stets meinen ungetheilten Beifall erhalten doch muß ich gestehen bisher von dem noch keine Ahnung gehabt zu haben welch auffallende Veränderung ein Anzug bei dem Menschen hervorrufen kann denn ich war nicht mehr die einfache Gouvernante im Leinen und Schafwollkleide sondern eine englische Dame stand vor mir umgeben von den Domestiken des Hauses die bereit waren deren Befehle entgegenzunehmen Hätte ich nicht so feste Grundsätze besessen so wäre dieser Augenblick vielleicht ganz dazu geeignet gewesen mich von der Bahn der Demut und Tugend abzubringen und dem sicheren Verderben entgegenzuführen wozu Eitelkeit und Putzsucht in den meisten Fällen die Wege bahnen »Jane « sprach ich hierauf zu